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Die aktuelle Spielzeit hat Chefdramaturg Peter Opperman schon seit über einem Jahr geplant.  Seibel
Die aktuelle Spielzeit hat Chefdramaturg Peter Opperman schon seit über einem Jahr geplant. Seibel
25.09.2015

Peter Oppermann ist der neue Chefdramaturg am Theater

Vor Jahren sind sie einmal zusammengesessen. Wie denn das Stadt-Theater der Zukunft aussehen solle, das haben sich Intendant Thomas Münstermann und sein Stellvertreter Peter Oppermann gefragt. Und weil sie ähnlicher Meinung waren, haben sie sich auf bestimmte Prinzipien geeinigt. In Pforzheim werden sie Realität.

Nur damals, da war nicht klar, dass aus Prinzipien Taten werden. Da war Münstermann kein Intendant und er mit Opperman auch nicht in Pforzheim. In Trier sind sie aufeinandergestoßen, – Münstermann – als freier Regisseur und Oppermann – wie heute – als Chefdramaturg. Sie kannten sich von noch früher, haben in den 1990er-Jahren zusammen in Osnabrück gearbeitet. „Das Grundvertrauen war da“, sagt Oppermann. Und als Münstermann Intendant in Pforzheim wurde, war klar: Oppermann ist mit dabei.

Eine gemeinsame Vision

Anderthalb Jahre haben sie vorbereitet, was jetzt begonnen hat: die aktuelle Saison des Theaters Pforzheim. In ihr sollen sich die Prinzipien und Vorstellungen spiegeln, die sie damals in Trierer Nacht entworfen haben: „Wir konnten uns auf eine gemeinsame Vision einigen“, sagt Oppermann. Eine Vision für eine Institution mit Image-Problemen. Stadttheater, das klingt so muffig und verstaubt – statt Broadway nach Beamtenstube. Nicht für Oppermann. „Wir bekennen uns zu diesem Begriff“, sagt er. Doch was sagt das aus – Stadttheater? „Wir machen Theater für eine Stadt, eine Region also für konkrete Menschen. Wir bekennen uns zu Pforzheim und wollen identitätsstiftend wirken.“ Was bedeutet das genau? Die Stadt – und das ist jeder – soll mitbekommen, dass es das Theater gibt. Spielort ist prinzipiell die ganze Stadt; nicht nur der Waisenhausplatz. Ein Verfahren, das Oppermann aus Trier kennt. „Dort haben wir über 100 Orte bespielt – vom Bahnhof bis zur Fußgängerzone.“ Verbunden soll es sein mit der Stadt, das Theater. Verbunden gerade aber auch das Theater mit sich. „Nur so können wir identitätsstiftend wirken.“

Ein gefährlicher Trend

Ein Ensemble haben sie gebildet, haben Strukturen erhalten – vor allem aber viele neue Gesichter nach Pforzheim geholt. Gegen den Trend, der Ensembles abbaut statt sie zu erhalten. „Das wurde in Wuppertal so gemacht“, sagt Oppermann: „Mit dem Effekt, dass die Zuschauer ausgeblieben sind. Die wollen sich mit den Schauspielern identifizieren, sie wiedererkennen – und auch mal beim Bäcker treffen.“ Gefährlich findet er den Trend zum reinen Gästewesen: „Damit skelettiert sich ein Theater. Es ist einfach abbaubar. Weil eben keine Bindung herrscht.“ Die hat Oppermann mit Pforzheim schon ausgebaut.

Kaum hat er das Jobangebot, fährt er hierher. Sieht das Theater – und ist überzeugt. „Ich war total begeistert. Von der Lage vom Zustand des Hauses.“ Hier will er arbeiten. Aber manchmal braucht er eine Auszeit, vom Waisenhausplatz – und hat sich sein Refugium in der Nordstadt gesucht. Eine Lage, von der ihm abgeraten wurde. „Ich war dort in der Vorbereitungszeit nie“, sagt er. „Aber irgendwann wollte ich wissen, wohin diese Unterführung am Bahnhof hinführt. Ich war begeistert – und jetzt wohne ich hier.“

Jeden Morgen bricht er zum Theater auf, trifft dort die, die so neu sind wie er – und aus deren Aufeinandertreffen die neue Saison ihre Energie gewinnt. Davon ist Oppermann überzeugt. „Unsere Neuen kommen aus allen Ecken der Welt; beginnen sich gerade kennenzulernen. Daraus entsteht ein unglaublicher Aufbruchsgeist.“ Ein Aufbruchsgeist, den Oppermann auch im Publikum erkannt haben will. „Es ist mein sechster Wechsel. Aber so eine Aufgeschlossenheit und Begeisterung wie hier habe ich noch nie gesehen.“ Dem Publikum scheint zu gefallen, was sich tut. Die Ideen aus der unbekannten Nacht, sie scheinen tragfähig zu sein. Und in Pforzheim werden sie Realität.