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17.07.2015

Pforzheim besser als sein Ruf: Fotoausstellung von KIT-Studenten

Karlsruhe. Pforzheim ist hässlich!“ – ein viel bemühter Ausspruch, der aber, wenn man eine Ausstellung damit bewirbt, provokanter nicht sein könnte. Denn warum soll ich mich einer Stadt auch noch in einer Ausstellung nähern, die dieses Stigma trägt?

Bildergalerie: Karlsruher Studenten gehen auf Foto-Tour in Pforzheim

Zwei Kurse am KIT (Karlsruher Institut für Technologie), ein Fotografie-Kurs bei Sven Lorenz und Chris Gerbing sowie ein Projektseminar, das die Kuratorin der aktuell im Stadtmuseum in Brötzingen laufenden Ausstellung „Sie bauten eine neue Stadt“ ebenfalls anleitete, treten mit dieser Ausstellung an die Öffentlichkeit – und belegen das glatte Gegenteil.

Die insgesamt 30 Studierenden besuchten im Vorfeld Pforzheim, machten sich ihr Bild von der Stadt, fotografierten aus ganz unterschiedlichen Perspektiven und entwickelten daraus Konzepte für je eine Serie. Dabei sollten sie sich ausschließlich auf die Architektur der Nachkriegszeit konzentrieren, also auf jene drei Jahrzehnte, die die Innenstadt Pforzheims prägen.

Dabei kamen sie einhellig zu der Überzeugung, die Stadt sei viel besser als ihr Ruf. Es kommt also auf den Blickwinkel an. Genau darum ging es sowohl im Fotografie-Seminar als auch in der Gruppe, die parallel das Ausstellungskonzept entwickelte, die Ausstellung organisierte und das Projekt nun in Form einer Vernissage präsentierte. Natürlich fehlen auf den Fotografien, die ausgestellt werden, die heimeligen Ecken, die verwinkelten Gässchen und die lauschigen Plätze. Das ist aber logisch in einer Stadt, deren Stadtväter dem Auto nach 1945 ganz bewusst Vorfahrt einräumten, die die Zerstörung als Chance betrachteten.

Dafür gibt es Motive zu entdecken, die in dieser Fülle eben nur in Pforzheim zu finden sind: Beton, der durch Glasbausteine zum Leuchten gebracht wird, die kühle Eleganz chromeloxierter Oberflächen, Glasfassaden, in denen sich Bauwerke spiegeln, und glatter, weißer Putz, der durch vorgesetzte Balkone mit Mosaikdekor plötzlich lebendig und farbig wird.

Eine graue Stadt, in der der Sichtbeton dominiert? Das ist Pforzheim, so ist den Fotografien zu entnehmen, mitnichten. Vielmehr ist es eine Stadt der bunten Fassaden, an denen gerade die 1950er-Jahre Skulptur und Ornament hinterließen. Eine Stadt, die früher noch viel bunter gewesen sein muss, als die Autos noch nicht den reduzierten Farbkanon aus Weiß-Grau-Schwarz und Dunkelblau bedienten. Aber natürlich auch eine Stadt, in der die Geschwindigkeit eine große Rolle spielt, die an innerstädtischen Kreuzungen ebenso kulminiert, wie im Hauptbahnhof. So ist absolut passend, dass die Schau in einem der Übersee-Container präsentiert wird, die im Gründerzentrum „Perfekt Futur“ sonst jungen Karlsruher Start Ups zur Verfügung stehen.

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