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Präsentieren „Pforzheim schmückt sich“: Matthias Hautsch, Dieter Huthmacher und Claus Kuge von der Löblichen Singergesellschaft (von links).
Präsentieren „Pforzheim schmückt sich“: Matthias Hautsch, Dieter Huthmacher und Claus Kuge von der Löblichen Singergesellschaft (von links).
Unterhalten die Besucher im vollbesetzten PZ-Forum aufs Beste: Liedermacher Dieter Huthmacher und Gitarrist Matthias Hautsch (links).   Ketterl
Unterhalten die Besucher im vollbesetzten PZ-Forum aufs Beste: Liedermacher Dieter Huthmacher und Gitarrist Matthias Hautsch (links). Ketterl
13.11.2017

„Pforzheim kann meh“: Huthmacher und Hautsch begeistern im PZ-Forum

Seit drei Wochen ausverkauft: Die Künstler-Matinee der Löblichen Singergesellschaft im PZ-Forum ist gestern wieder mit tosendem Applaus aufgenommen worden.

Liedermacher Dieter Huthmacher und Gitarrist Mat-thias Hautsch sind eben zwei, die gut miteinander können. Vor al-lem aber begeistern die Texte der sowohl lustigen als auch ernsten Lieder über Pforzheim und seine mausgrauen Gebäude, Baustellen und seinen „beliebtesten“ Bürger – den „Dicken“ . Das Programm „Pforzheim schmückt sich“ ent-tand als Beitrag zum 250-jährigen Jubiläum der Goldstadt; schon vor zwei Jahren begann Huthmacher die Lieder zu schreiben.

Doch was wäre ein Live-Auftritt des Pforzheimer Sängers und Gitarristen ohne hochaktuelle Bezüge? Da werden die Gedanken zur Kulturhauptstadt genauso erwähnt wie das Kaugummiverbot, das für die Läden gar nicht so gut wäre. Schließlich sei der ausgespuckte Kaugummi ein „Kundenstopper“, der die Menschen am schnellen Vorbeigehen hindere. Vor allem der Dauerbrenner „Gut sen die Leut‘“ als Zugabe eignet sich hervorragend, um Gegenwärtiges in die Strophen zu packen – die Frisur von Oberbürgermeister Peter Boch zum Beispiel oder den zurückgekehrten Wolf. Zumindest dachte der Liedermacher, Wolfgang Scheidtweiler vor der Eishalle gesehen zu haben. Zum Einstieg besingt er mal gleich „Die Stadtkirch“, die kleiner ist als die Sparkasse. „Geld kommt vor der Erleuchtung“, folgert er in seiner Ankündigung des Stücks, in dem das Emma-Jaeger-Bad genauso auftaucht wie der überall tanzende FDP-Mann Hans-Ulrich Rülke. Zum Ohrwurm wird der Refrain „Oh je, oh je, Pforzheim kann meh“, den die Zuhörer kräftig mitsingen.

Doch auch nachdenkliche, ruhige Töne stimmt das Duo an, etwa mit dem Lied „Die Rassler“, die täglich zu Fuß einen weiten Weg gingen. Hautsch gelingt es, nicht nur diese Ballade klanglich aufzuwerten – mit seiner Gitarre und Soundmaschine. Delays, Hall und Echos sind zu hören, helle, übereinander gelagerte, teils auch verzerrte Klänge. So schimmert und wabert es zum Beispiel bei „Es ist nicht alles Gold was glänzt“. Und Huthmachers persönliche Nummer „Goldstaub“ über seine Mutter, eine Goldschmiedin, beginnt und endet in spannendem Wechselspiel der Gitarren.

Zwischen Gesang und Saitenklang erzählt der 70-jährige Liedermacher weitere An- und Aussichten auf seine Stadt, amüsiert sich über deren vier Autobahnausfahrten und sagt die Zukunft in 100 Jahren mit Trampolinspringern voraus. Nicht immer kommt Pforzheim dabei gut weg: „Selten will man wiederkommen, wenn man mal draußen ist“, sinnt Huthmacher. Einmal geht es direkt über zum nächsten Stück – mit pochend dunklen Klängen. Einfühlsam präsentiert das Duo die traurige Ballade „23. Februar 1945“, bei der Huthmacher zum Sprechgesang den Rhythmus auf der Gitarre klopft. Neben dem „magischen“ Wallberg wird auch die „Luis vom Wochenmarkt“ besungen – und die Heimat in der zweiten Zugabe.