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Dieter Huthmacher in seinem Atelier an der Westlichen vor aktuellen Städtegemälden mit seiner CD „Pforzheim schmuckt sich“ zum Goldstadtjubiläum sowie seiner ersten Langspielplatte aus dem Jahr 1974. Foto: Frei
Dieter Huthmacher in seinem Atelier an der Westlichen vor aktuellen Städtegemälden mit seiner CD „Pforzheim schmuckt sich“ zum Goldstadtjubiläum sowie seiner ersten Langspielplatte aus dem Jahr 1974. Foto: Frei
20.08.2017

„Pforzheim schmuckt sich“ - Liederprogramm von Dieter Huthmacher zum Goldstadt-Jubiläum

Pforzheim. Teuer muss es sein und funkeln, denn: „Eine Frau, die was auf sich hält, wäre ohne Schmuck ja voll entstellt.“ Doch trägt sie Schmuck aus Gold, aus Silber, am Hals oder wenn aus guten Hause gar am Ohr, entlockt‘s Bewunderern ein „Oh, wie schön ist diese Dame“. Über vier Jahrzehnte ist es her, dass der Liedermacher und Grafiker Dieter Huthmacher seine erste Schallplatte „ich sing jetzt nicht das Deutschlandlied“ mit selbst geschriebenen und vertonten Chansons veröffentlicht hat. Es war im Oktober 1974, als er kritisch, teilweise gar sarkastisch seine Umwelt, sich mit der Gitarre begleitend, besang.

Eine „Schmuckballade“ durfte dabei nicht fehlen. Und sie endet mit der Feststellung: „Eine Frau wäre ohne Schmuck ja völlig nackt“, und der wird „daher auch getragen, selbst wenn das Teure sie nicht ziert“. Doch auch das „starke Geschlecht“ bekommt sein Fett ab. „Trage Schmuck, und Du bist in, Du bist ein Mann!“, bemerkt der Liedermacher.

„Ein Pforzheimer, der anderswo besser als in der Heimat bekannt ist“, war damals in der PZ zu lesen. Denn als Grafiker und Illustrator hatte sich Dieter Huthmacher schon einen Namen gemacht. „Aber kann er mit seiner ersten LP auch hier erfolgreich sein?“ , stellte der damalige Autor (übrigens derselbe wie heute) in den Raum.

Er hat es geschafft. Mittlerweile ein jung gebliebener Siebziger und nach unzähligen Konzertauftritten auf Bühnen sowie im Rundfunk, nach zwölf Schallplatten und über zehn CDs hat Huthmacher seine aktuelle Scheibe dem Schmuck- und Uhrenjubiläum „250 Jahre Goldstadt Pforzheim“ gewidmet. „Als Gerhard Baral zum Koordinator des Jubiläums ernannt worden war, hatte er mich gefragt, ob ich nicht ein darauf bezogenes Programm zusammenstellen könnte. Danach habe ich ich zwei Jahre dran gearbeitet.“

Buntes Kaleidoskop

Entstanden ist „Pforzheim schmuckt sich“ mit 18 Liedern, mit denen er seine Ansichten und Aussichten auf seine Geburtsstadt präsentiert. Wie gewohnt, mal leise, mal lauter, mal liebevoll, mal ironisch. Intensiv hatte sich Huthmacher mit den hiesigen Historikern Ana Kugli und Olaf Schulze über Originale und Begebenheiten besprochen, in seinem eigenen Gedächtnis gestöbert, wie er anmerkte, und Erinnerungen seiner Kindheits- und Jugendjahre in der zerstörten Stadt sowie Erzählungen seiner Mutter, die bei RoWi arbeitete, in seine Texte einfließen zu lassen. Entstanden ist ein buntes Kaleidoskop, das an einstige Originale wie den „Daube Michel“ oder „die Luise vom Wochenmarkt“ erinnert, sich so mancher Zeitgenosse ebenfalls wiederfindet. Besungen werden natürlich die Rassler, der „Dicke“ am Leopoldplatz, „Die Stadtkirch“, der Wallberg (zu dessen Füßen ist er aufgewachsen), an Goldstaub, Gold und, und, und. „Pforzheim kann meh“ nebst „Manchmal macht mir Pforzheim so richtig Spaß“ singt Huthmacher, aber auch Nachdenkliches zum 23. Februar 1945 mit der Zerstörung und den über 17 000 Toten des Bombenhagels. Zu seiner Stimme erklingen dabei nur die Geige von Klaus Marquart und sein Klopfen auf den Gitarrenboden.

Durchbruch dank Gisela May

Glücklich ist Dieter Huthmacher darüber, dass er in Marquart sowie der Sängerin Sandie Wollasch, vor allem mit Matthias Hautsch (Gitarre und Arrangements) sowie Klaus Dusek (Kontrabass) tolle Mitstreiter für die CD „Pforzheim schmuckt sich“ gefunden habe. Der PZ-Karikaturist erhielt zudem Unterstützung durch die „Pforzheimer Zeitung“, „Goldstadt 250“ und die Löbliche Singergesellschaft von 1501.

Wenn Huthmacher heute auf seine Karriere als Liedermacher zurückblickt, ist er immer noch dankbar dafür, dass er von einem Freund den Rat bekommen hatte, sich doch an die große DDR-Chansonsängerin und Brecht-Interpretin Gisela May (1924–2016) zu wenden und ihr eine Demo-Aufnahme zu schicken. Sie habe sich dann dafür eingesetzt, dass der Pforzheimer als einziger „Westler“ erstmals 1971 an einem Kurs bei ihr in Weimar teilnehmen konnte. Von da an ging es für Dieter Huthmacher bergauf. Als Dank holte er „die May“ 1997 nach Pforzheim, zu einem Konzert im Kulturhaus Osterfeld.