nach oben
Leicht, klar und transparent: René Dantes’ Entwurf für eine Gedenkstätten-Skulptur auf dem Friedhof in Dornstetten-Aach hat die Jury überzeugt. Dantes (Bildmontage)
Leicht, klar und transparent: René Dantes’ Entwurf für eine Gedenkstätten-Skulptur auf dem Friedhof in Dornstetten-Aach hat die Jury überzeugt. Dantes (Bildmontage)
10.05.2019

Pforzheimer Bildhauer René Dantes gewinnt Künstler-Wettbewerb

Pforzheim. Einem schwierigen, sensiblen Thema hat sich René Dantes gewidmet. Mit vier anderen Künstlern hat der Pforzheimer Bildhauer an einem Wettbewerb teilgenommen und den Entwurf einer Gedenkstätten-Skulptur gestaltet. Sie soll auf dem Friedhof in Dornstetten-Aach an 13 „Polenkinder“ erinnern, die am Ende des Zweiten Weltkriegs verstorben waren (siehe Kasten). Seine Arbeit hat die Jury überzeugt.

Es war die Komplexität der Aufgaben, die eine solche Gedenkstätte zu erfüllen hat, die für Dantes den Reiz ausmachte. „Etwas zu schaffen, das den Kindern und Müttern ein Mindestmaß an Würde zurückgibt.“ Seine Arbeit soll kein düsteres Mahnmal sein. Er wolle Botschaft und Hintergrund der Schicksale vermitteln, die Leute aufmerksam und neugierig machen, sie in sich kehren lassen.

Der Künstler hat dafür eine vierkantige, samt Sockel 2,60 Meter hohe und von allen Seiten erfahrbare Stele entworfen. 13 Kreuze stellt er auf den Seitenflächen von vier übereinander gestapelten Kuben in Positiv- oder herausgeschnittener Negativform dar. Sie ermöglichen den Blick ins Innere, auf dunkelbraun patinierten Stahl. Von außen wirkt silbern glänzender, geschliffener Edelstahl jedoch freundlich und klar. „Gut und Böse, Unrecht und Bewusstsein, geschenktes und genommenes Leben“, dieser Dualität verleiht Dantes dadurch Ausdruck. Auf einen inneren Querbalken steht: „Mensch, gedenke und lerne.“

Die Skulptur wirkt anders als Dantes’ bekannte, dreidimensionale Cortenstahl-Arbeiten. Im Ansatz ist ihnen dennoch zweierlei gemein: Der Mensch ist für Dantes das Maß der Dinge. Und die Reduktion in der Formensprache. „Je komplexer die Aufgabenfelder, desto einfacher muss sie sein, um dem Betrachter einen unmittelbaren Zugang zu den Aspekten der Gedenkstätte zu ermöglichen“, sagt der 56-Jährige. Bei dieser schlicht gehaltenen Skulptur will er das Maß wahren zwischen gefragter Größe einerseits, um dem Unrecht an den Kindern gerecht zu werden und aufmerksam zu machen, sowie Sensibilität andererseits, um Betrachter im Innersten zu erreichen und nicht einzuschüchtern. Die in der Aufgabenstellung gewünschten 13 Kreuze, hinter denen individuelle Schicksale stecken, seien an sich schon symbolträchtig. Jedes soll den Namen eines der verstorbenen Kinder tragen.

Dantes sieht sein künstlerisches Engagement gerade in einer Zeit als wichtig, „in der viele Menschen zu komplexen Themen einfache Lösungen suchen. Wir machen es uns einfach, das erzeugt Stimmung. Wir müssen uns aber bewusst sein, dass jeder von uns Verantwortung hat“, sagt Dantes, auch mit Blick auf die heutige Demo der „Rechten“ in Pforzheim. Es sei wichtig, hellhörig zu machen. Seine Arbeit sei „ein kleiner, aber äußerst wichtiger Beitrag“.

Der Wunsch nach einer Gedenkstätte kam aus der Bevölkerung, sagt der Dornstettener Bürgermeister Bernhard Haas. Daher habe man sich mit dem Aacher Ortschaftsrat auf den Wettbewerb mit einem Budget von insgesamt 14.000 Euro verständigt, inklusive privater Geldgeber. „Der Entwurf hat mit Leichtigkeit und Transparenz bestochen“, begründet Haas, warum die Juroren letztlich René Dantes auswählten. Er bekomme nun den Auftrag zur Gestaltung. Am Volkstrauertag soll die Gedenkstätte auf dem Aacher Friedhof eingeweiht werden.