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Evelyn Taylor-Kopp vor ihrem Werk „Regenbogen“, bei dem eine Frauenfigur in den Farben verbogen ist.  Roller
Evelyn Taylor-Kopp vor ihrem Werk „Regenbogen“, bei dem eine Frauenfigur in den Farben verbogen ist. Roller
07.09.2016

Pforzheimer Künstlerin zeigt Gemälde voller Anspielungen

Man betritt den Raum – und fühlt sich erschlagen von den Motiven, kann gar nicht sagen, was man alles sieht. Oder zu sehen glaubt. Wild vermischen sich die Farben, Muster kommen zum Vorschein. Hier glitzerndes Klebeband, dort ein roter Folienballon mit wenig Luft, Tannenreisig an der Decke. Ständig entdeckt man neue Details, erkennt Feinheiten, die vorher noch unsichtbar waren.

Genau darum geht es der Künstlerin. Evelyn Taylor-Kopp denkt nicht in festgefahrenen Bahnen, sondern arbeitet experimentell. Sie hat an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe studiert, wo sie auch Meisterschülerin war. Die in Pforzheim geborene Künstlerin lebt und arbeitet in Stein. „Früher war mehr Lametta“ hat sie ihre neue Ausstellung genannt, die derzeit in den Räumen der Künstlergilde Buslat bei Neulingen zu sehen ist.

Ausdruck der Sehnsucht

Sie zeigt eine bunte Mischung aus Skulpturen, Objekten, Gemälden und Grafiken. Den Titel hat sie keinesfalls zufällig gewählt. Er ist ein Zitat aus dem Loriot-Sketch „Weihnachten bei Hoppenstedts“ von 1978. Damit wolle sie aber keinesfalls zum Ausdruck bringen, früher sei alles besser gewesen, sagt Taylor-Kopp. Der Titel ist aber schon Ausdruck der Sehnsucht nach einer Zeit, in der alles noch leichter zu sein schien.

Heute ist die Welt im Wandel, Leichtigkeit gebe es oft nicht mehr. Und so hängt an der Wand schräg ein roter Folienballon mit wenig Luft traurig herunter und scheint dem Betrachter zu sagen: Früher ist noch mehr Glanz gewesen – und jetzt ist die Luft raus. Speziell für die Ausstellung in Neulingen hat die Künstlerin eine rund drei Meter hohe und vier Meter breite Wandarbeit geschaffen. Auf den ersten Blick mag sie wie ein Campingkocher wirken. In Wahrheit sieht man ein elektrisches Spielzeug aus den 1960er-Jahren: ein Kernkraftwerk. War da nicht auch was bei Loriot?

Es sind solche Anspielungen, die man von Taylor-Kopp bis dato nicht gekannt hat. Sie konzentriert sich zwar auch weiterhin auf das Gestalterische und vermischt moderne Unterhaltungskultur mit Zitaten aus der Kunstgeschichte. So hat sie zum Beispiel Ausschnitte aus Hieronymus Boschs „Garten der Lüste“ in drei ihrer Grafiken eingearbeitet, wo sie neben glitzerndem Klebeband, Schuhabdrücken, Pflastern und Briefkuverts zu sehen sind. Aber: Mittlerweile spielen Motive aus dem Tagesgeschehen bei ihr auch eine Rolle – wenngleich der moralische Zeigefinger in der Tasche bleibt. Beispiel: die Grafik „Naraha“, die auf den ersten Blick keine politische Botschaft in sich trägt.

Auf pink-goldenes Papier aufgeklebt, zeigt ein Foto ein Haus, das idyllisch auf einer Wiese steht. Sonderbar ist nur, dass im Vordergrund Müllsäcke liegen. Der Bildtitel verrät, dass das Foto aus Naraha stammt – eine Stadt im Bezirk Fukushima, die nach dem Reaktorunglück vor fünf Jahren momentan wieder besiedelt wird. Und dann ist da noch der Pappkarton eines Versandhändlers, aus dem das Wort „Gold“ herausgeschnitten ist – eine Anspielung auf Pforzheim. Und ein Hinweis auf die Veränderungen im Konsumverhalten seiner Bewohner. Mit ihrer Ausstellung wagt Taylor-Kopp sich auf neues Terrain und wendet sich nun auch stärker der Malerei zu, nachdem sie bisher vor allem mit Installationen gearbeitet hat. Die Wachsmalerei hat es ihr angetan: Auf vielen ihrer Gemälde ist Wachs in verschiedenen Farben wild gesprenkelt, es entstehen Farbschollen mit Blasen, Verwerfungen und porösen Oberflächen – und in Verbindung mit der Intarsienarbeit werden in den Bildern nach längerem Betrachten auf einmal zarte Figuren erkennbar.

„Evelyn Taylor-Kopps offene Art und vielseitige Denkweise spiegeln sich in ihrer Kunst wider“, sagte Michaela Wörle bei der Vernissage auf dem Katharinentaler Hof. Und sie hat recht.