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Von seiner ruhigen Seite zeigt sich Dieter Hutmacher auf dem CD-Cover. Foto: Musolesi
Von seiner ruhigen Seite zeigt sich Dieter Hutmacher auf dem CD-Cover. Foto: Musolesi
09.11.2018

Pforzheimer Multitalent Dieter Huthmacher veröffentlicht neue CD „Vogelmund“

Pforzheim. Wer nur die kabarettistischen Auftritte des Dieter Huthmacher kennt, wird erstaunt sein. In seiner musischen Ader zeigt das Pforzheimer Multitalent seine ruhige, leise Seite. Mit dem neuen Album „Vogelmund“ dürfte das Dutzend seiner musikalischen Produktionen voll sein. Er veröffentlicht es in Kooperation mit der Löblichen Singergesellschaft und der „Pforzheimer Zeitung“ auf seinem eigenen Label „Doppelfant“. Das Premieren-Konzert findet am Sonntag, 25. November, im PZ-Forum statt.

Zwölf Titel hat der 71-Jährige geschrieben. Nicht wie gewohnt in Mundart, sondern schriftdeutsch. Vergleiche zu Liedermachern und Chansonniers sind möglich. Es geht um Themen wie enttäuschte Liebe und Suche nach Heimat, aber auch Rechtsradikalismus und „die Guten, die eigentlich nie die Guten sind“, so Huthmacher. „Ein Stück weit war ich schon immer politisch.“

Der Sänger hat auf der CD Erinnerungen verarbeitet. So geht es um „Die alte Pendeluhr“ seiner Großmutter. „Die hat mich immer im Schlaf gestört.“ Auch Lokalkolorit hat Huthmacher eingebaut: „Die Vips“ ist der einzige eher lustige Song. „Wer sich in Pforzheim auskennt, weiß, wo sie anzutreffen sind“, sagt er. Und immer wieder fließt Nachdenkliches ein. Etwa in „Richtige Worte“. „Ich konnte mit meinem Vater nicht reden. Als er starb, wäre noch so viel zu sagen gewesen.“

Behutsam und wohltuend sparsam arrangiert hat das Album der Straubenhardter Matthias Hautsch, der mit dem Sänger und Kabarettisten schon oft ein Album eingespielt hat. Live bestritten die beiden schon viele gemeinsame Konzerte. Mit Hautsch an der Gitarre, Martin Simon am Kontrabass und Markus Faller (Percussion) sind zwar profilierte Musiker, aber nur wenige Instrumente zu hören. Was dem Gesamteindruck einen Hauch von Offenheit und Leichtigkeit verleiht. Dieses bisweilen Zerbrechliche stimmlich rüberzubringen, musste sich Huthmacher erst mal erarbeiten, wie er einräumt.

„Wir haben uns viel Mühe gegeben, den richtigen Ton zu finden“, sagt Huthmacher. Seien bei der Produktion früherer Alben noch die Texte im Mittelpunkt gestanden, werde ihm nun die Musik immer wichtiger. Im Sommer haben die Musiker „Vogelmund“ in Hautschs „Get it“-Studio aufgenommen. Dort ließen sie sich viel Zeit. „Wir haben Tage zusammen verbracht – bestimmt 80 Stunden, um immer wieder neue Wege zu finden.“ Im Studio feilten die beiden an der richtigen Dramaturgie und schafften so eine Verwandtschaft zwischen den Titeln.

„Damit sie wie aus einem Guss klingt. Dreimal C-Dur hintereinander ist nicht gut“, sagt Hautsch und lacht. „Wir mussten manche Lieder schleifen wie einen Rohdiamanten.“ Will heißen: Hier eine kleine Melodie umsetzen, da einen Akkord. Im Gegensatz zu früheren gemeinsamen Produktionen sei diesmal jedes Instrument einzeln eingespielt worden.

Hautsch wollte einfühlsam vorgehen, der Stimme ausreichend Energie und Kraft lassen. Trotz mancher Differenzen im Detail resümiert der Gitarrist: „Es ist einfach, mit Dieter zu arbeiten. Er lässt mir viel freie Hand.“