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Oktobass, das Kontrabass-Ensemble der Musikhochschule Stuttgart, mit Aaron Pagani (rechts) und Professor Matthias Weber spielt am Sonntag im Königlichen Kurtheater in Bad Wildbad. Foto: Kuhnle
Oktobass, das Kontrabass-Ensemble der Musikhochschule Stuttgart, mit Aaron Pagani (rechts) und Professor Matthias Weber spielt am Sonntag im Königlichen Kurtheater in Bad Wildbad. Foto: Kuhnle
14.06.2018

Pforzheimer Musiker Aaron Pagani begeistert im Königlichen Kurtheater

Bad Wildbad. Jeder hat seinen eigenen Blick auf die Dinge. Aaron Pagani läuft zu Hochform auf, wenn er vom Kontrabass schwärmt. Der nur mäßig begabte Kontrabassist in Patrick Süskinds Einakter „Der Kontrabass“ dagegen befindet am Schluss seiner emotionalen Talfahrt: „Ein Waldschrat von Instrument“.

Dem Mann fehlt offensichtlich das, was Pagani und sechs weitere Musikstudenten samt ihrem Stuttgarter Professor – zusammen das Kontrabass-Ensemble Oktobass – auszeichnet: die Begeisterung für Musik und Instrument. Das in dieser Form ungewöhnliche Oktett bietet am Samstag in Bad Wildbads schönstem Musenhaus, dem Königlichen Kurtheater, ein Kontrabass-Konzert, bei dem die Zuhörer sich der Gefahr bewusst sein müssen, nach den Kaskaden der tiefen Klänge süchtig zu werden.

Musik von Bach über Schumann bis Bernstein hat Aaron Pagani konsumiert wie andere Kinder Benjamin Blümchen, wurde er doch in eine Theaterfamilie hineingeboren. In Pforzheim kennt man Vater Andrea M. Pagani als Musicalsänger. Mit Mutter Annette, Requisiteurin am Stadttheater, schnupperte Aaron Theaterluft, als sie als Alleinerziehende den kaum den Windeln entwachsenen Sprössling mit in die Requisite nahm: Daneben lagen die Räume des Orchesters und des Herrenchors. „Ich glaube schon, dass es damals angefangen hat“, meint der heute 22-Jährige, der kurz vor seinem Master-Abschluss an der Musikhochschule steht. Auch Annette Pagani ist sich leicht amüsiert sicher: „Der Orchesterflur war ein prägendes Element“.

Dann ging es Schlag auf Schlag – die Mutter förderte die Begabung des Sohnes: Unterricht bei Orchestermitglied Klaus Dusek, Streicherklasse in der Pforzheimer Waldorfschule, Sieg bei Jugend musiziert, kleine Rollen im Theater, Mitglied des Landes- und Bundesjugendorchesters, erster Auftritt mit dem Südwestdeutschen Kammerorchester und mit 15 Jahren Aufnahme zum vorbereitenden Jung-Studium in Stuttgart.

Aaron Pagani war nach Versuchen mit Cello und Klavier der Faszination des Kontrabasses erlegen. Der Klang schraubte sich in Herz, Ohr und Hirn: „Die Tiefe ist fantastisch. Spielt man den Kontrabass fünfsaitig im Orchester, also noch eine Quart tiefer, dann sieht man es richtig schwingen“. Acht Kontrabässe in einem Konzert vereint – ein seltenes Erlebnis. Ins Leben gerufen hat das Oktett Professor Matthias Weber, der selbst mit seinem Kontrabass dem Ensemble angehört.

Es sei, findet Aaron Pagani bei aller Begeisterung, neben Studium und Vorbereitung auf die Master-Arbeit schon „viel Aufwand“, der für die Konzerte zu verkraften sei. Aber: „Man kann den Bass mal richtig zum Singen bringen“. Vor allen Dingen dadurch, dass sich das Programm nicht auf die klassische Bass-Literatur beschränkt, sondern eine ungewöhnliche musikalische Bandbreite nutzt: Jazz und französische Chansons sind ebenso vertreten wie Stücke von der Renaissance über die späte Romantik bis zur Moderne.