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Irmentraud Kiefer.  privat
Irmentraud Kiefer. privat
02.01.2018

Pforzheimer Schriftstellerin Irmentraud Kiefer veröffentlicht neue Bücher

Pforzheim. Was tun, wenn Rückenschmerzen die schönsten Reisepläne vereiteln und einen zwingen, mehr oder weniger das Haus zu hüten? Schreiben, dachte sich Irmentraud Kiefer.

Das hat ihr immer schon Spaß gemacht. „Da lag ja schon lange Archivmaterial im Regal, und nie war Zeit, sich damit zu befassen“, sagt sie. Also kramte sie jene Majorin Heine aus, der sie um 1990 in Hameln in einer Buchhandlung in Geschichtsblättern begegnet war. „Eine bemerkenswerte Frau aus dem 18. Jahrhundert“, so die Autorin. Sie war mit der Kutsche in einen Franzosenüberfall geraten. Als Langzeitfolge hatte ihr das ein Gallenleiden eingebracht. Sie musste deshalb vor allem auf ihren geliebten Bohnenkaffee verzichten. Doch auf Arznei aus Zichorie umzusteigen, wollte sie so nicht akzeptieren und begann zu experimentieren. Wie etwa könnte die bittere Medizin trotz allem das Leben versüßen? Jene Geschichtsblätter bezeichneten die Majorin als die Erfinderin des Zichorienkaffees, so Kiefer.

Das könne man so nicht sagen, heißt es aber im Archiv von Holzminden, wo die Majorin Heine auf dem Friedhof begraben liegt. Dieser Ersatzkaffee sei schon zu Beginn des 18. Jahrhunderts bekannt gewesen. Sehr wohl aber habe Dorothea Heine durch ihre Versuche das Getränk verbessert. Die Majorin überwand ihr Leiden. Sie lebte in einer interessanten Epoche. In Preußen regierte der „Alte Fritz“, in Amerika rebellierten die Kolonien. „Ein Frauenleben, über das sich lohnt zu schreiben“, sagt die 82-Jährige. Es blieb genügend Raum, um aus Tatsachen und Imagination eine runde Geschichte zu machen. So entstand „Die Majorin“. Dann folgte die Verlagssuche. Kiefer kam auf die Idee, bei Q-Prints & Service in Pforzheim nachzufragen, ob man ihre Novelle drucken wolle. Geschäftsführerin Ute Hötzer gab den Weg frei, und so ist dort das Buch „Die Majorin“ bei Bedarf bestellbar.

Während des Schreibens arbeitete die Brötzingerin an einem Lyrikband, den der Zeitschnur Verlag in Karlsruhe fast zeitgleich veröffentlichte. Die Verlegerin Hanna Jüngling ist wie die Autorin Mitglied der Künstlerinnenvereinigung Gedok. Jüngling, Musikerin und Komponistin, hat Gedichte von Irmentraud Kiefer zu Stücken von Wolfgang Rihm zu dessen 60. Geburtstag in einer Anthologie herausgegeben. Auch in dem Lyrikband mit dem Titel „Verwilderte Gärten“ gibt es durch Kompositionen inspirierte Gedichte. Der von Hanna Jüngling gestaltete Umschlag macht das Buch zu einem optischen Kleinod.

Irmentraud Kiefer: „Verwilderte Gärten“, Gedichte, Zeitschnur Verlag Karlsruhe, 10 Euro.

Irmentraud Kiefer: „Die Majorin“, Q-Prints Druck Pforzheim, 10 Euro.