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Anthea Oestreicher und Theo F. Gomes zeigen ihre Arbeiten in den Vitrinen rund um das Haus an der Östlichen Karl-Friedrich-Straße 9.  Foto: Meyer 

Pforzheimer Studierende zeigen spannende Installation im Herzen der Stadt

Pforzheim. Sie setzen sich mit Umverteilung von Handlungsmacht, Kontrollräumen und Kontrollverlust, Netzwerkstrukturen und der Verflechtung des Menschen mit seinen Umweltverhältnissen auseinander. Theo Gomes und Anthea Oestreicher greifen in ihrer Ausstellung komplexe Themen auf, die eigentlich eher unsichtbar sind. Sie zeigen dies bis 28. März in den Vitrinen gegenüber des LAF-Projektraums rund um den grauen Block an der Östlichen 9. Abends sind die Schaufenster beleuchtet und laden beim Spaziergang zum Entdecken neuer Blickwinkel ein.

Anthea Oestreichers Arbeit „In diesem Organismus“ beschäftigt sich mit der symbolischen Verbindung von Mensch, Ökosystem und nicht-menschlichem Leben. Dabei macht sie übersehene Systeme und Prozesse sichtbar. Sie nutzt Handwerkstechniken wie Keramik, Fotografie und Fermentation. „Dieser Gärprozess ist für mich eine Metapher“, sagt Oestreicher. Im Spiel um Kontrolle und Kooperation, Transformation und Konservierung untersucht ihre Arbeit die Eigenwilligkeit der Materien und übersetzt sie in ästhetische Artefakte. So hat sie altes Brot ausgehöhlt und eingegossen. Entstanden sind weißgraue Objekte von steinhaft-mineralischer Ästhetik. Fotos zeigen, wie es aussieht, wenn man Papier mit Sauerkraut vakuumiert. Zwischen einzelnen Arbeiten hat sie Fäden geknüpft – alles ist miteinander verwoben.

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Kunst kommt ins Schaufenster: Studierende zeigen Installation

Theo Gomes setzt sich mit verschiedenen Modi kultureller Produktion und Autonomie auseinander. „Objekt meiner Untersuchungen stellen Künstlermanifeste dar, die ich über das Semester sammelte und mit Hilfe unterschiedlicher künstlerischer und digitaler Medien weiterverarbeitete.“ Genau 100 Deckblätter hat er abgeschrieben und mit einem Datum versehen – eine echte Sisyphusarbeit als Ausdruck einer revolutionären Haltung. Ihn interessiert die historische Kontinuität von künstlerischer Avantgarde und Protestbewegungen. Gomes spannt den Bogen vom Vergangenen zum Aktuellen, er spekuliert bis ins Absurde gehend über kulturelle Produktion durch Maschinen und die Zukunft im digitalen Zeitalter.

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Die Ästhetik von Mineralien: Keramik-Arbeiten aus altem Brot. Foto: Meyer

Die Arbeiten sind entstanden im zweiten Semester des Studiengangs Master of Design and Future Making an der Fakultät für Gestaltung der Hochschule Pforzheim. Er präsentiert sich normalerweise im „Madlab“ des Alfons-Kern-Turms, der derzeit wegen Corona geschlossen ist. Auf der Suche nach Alternativen sei die Professorin Christine Lüdeke aufs LAF zugegangen. Sie ist von der Leidenschaft der Studierenden angetan: „Sie entdecken spannende und für uns alle bereichernde Muster und Verbindungen, an denen sie uns durch ihre gestalterische Souveränität teilhaben lassen.“

Dies sei, so Gomes, der Auftakt für eine künftige Belebung des Areals. Im Laufe des Jahres sollen weitere Arbeiten in den Vitrinen ausgestellt werden.

Michael Müller

Michael Müller

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