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Charlotte Kaiser freut sich darauf, ihr preisgekröntes Werk „Introduction et Marche obscure“ am 19. Februar in Pforzheim uraufführen zu können.
Charlotte Kaiser freut sich darauf, ihr preisgekröntes Werk „Introduction et Marche obscure“ am 19. Februar in Pforzheim uraufführen zu können.
10.02.2016

Pforzheimerin erhält Förderpreispreis von „Jugend komponiert“

Wenn es in der Schule wieder einmal langweilig ist, kann man sich auf verschiedene Arten ablenken. Kritzeln aufs Papier, Kaugummi unter den Tisch – oder bloß Löcher in die Luft starren. Charlotte Kaiser (12) aus Roßwag macht es anders. Sie komponiert. „Mir fallen dann musikalische Ideen ein“, sagt sie. Zu Hause werden aus den Ideen vollständige Musikstücke. Mit ihrer jüngsten Komposition „Introduction et Marche obscure“ (Einleitung und finsterer Marsch) hat sie den Förderpreis von „Jugend komponiert“ gewonnen. Im Rahmen des Inner-Wheel-Benefizkonzerts wird sie die Siegerkomposition am Freitag, 19. Februar, in Pforzheim uraufführen.

Früher Klavierunterricht

Wenn Charlotte über ihr Hobby spricht, wirkt es so natürlich, dass sie komponiert. So, als sei es nichts Besonderes, wenn eine 12-Jährige sich lieber vors Notenpapier setzt als vor den Fernseher. Vielleicht liegt es daran, dass das Komponieren schon lange zu ihrem Leben gehört, Musik seit früher Jugend eine Rolle spielt. „Ich wollte schon mit viereinhalb Klavier spielen“, sagt sie. Vom frühkindlichen Klavierspiel bis zum Komponieren ist es eigentlich ein weiter Weg. Aber nicht für Charlotte. „Ich habe dann eigentlich sofort angefangen, nicht nur nach den Noten zu spielen – sondern auch freie Dinge, die ich einfach im Kopf hatte“. Mit fünf Jahren hat sie dann begonnen aufzuschreiben, was sie in Kopf und Hand schon längst konzipiert hatte – in einem Alter, in dem ein Kindergartenkind sonst nur seinen Namen schreibt.

Immer ist es ein Komponieren auch für die Öffentlichkeit, nicht bloß für die Schublade oder das elterliche Renommier-Vorspiel. Schon in der zweiten Klasse gibt es den ersten Auftrag für sie. „Es hat sich rumgesprochen, dass ich komponiere. Deswegen habe ich eine Musik zur Begrüßung der neuen Erstklässler in der Grundschule geschrieben.“ Mittlerweile sind es 15 Werke in ihrem Werkverzeichnis. Die jüngste Komposition ist ein Gewinnerstück. Unter den mehr als 200 Einsendungen zum Komponier-Wettbewerb „Jugend komponiert“ hat es Charlotte geschafft, einen der begehrten Förderpreise zu erhalten. Extra komponiert habe sie das Stück aber nicht für den Wettbewerb. „Es war sowieso schon fertig“.

Wie geht sie vor beim Komponieren? Auch hier sind es keine großen Worte, die Charlotte benutzt, intuitiv wirkt ihre Arbeitsweise. „Wenn mir ein musikalischer Hauptgedanke einfällt, setze ich mich ans Klavier und spiele ihn. Dann baue ich ihn weiter aus. Wenn mir alles gefällt, schreibe ich die Noten auf.“ Inspiration findet sie in den Werken, die sie im Unterricht spielt, oder in den Büchern, die sie liest. Denn meist gibt es Bilder und Ideen, die ihr Werk durchziehen – auch bei „Introduction et Marche obscure“.

„Das Stück hieß eigentlich erst Marsch der Geheimnisse“, sagt Charlotte. Sie blättert durch die Notenseiten des Stücks, zeigt auf die verschiedenen Motive: „Dieses Geheimnisvolle wird hier vorbereitet. Es wirkt bedrohlich.“ Sie blättert weiter. „Hier am Ende aber erklingt das Geheimnis wirklich. Man merkt, dass es aber eigentlich gar nicht bedrohlich ist.“ Atmosphäre zu erzeugen, ist Charlotte wichtig. Das zeigt ihre Komposition – und selbst der Titel ist darauf ausgerichtet. „,Marsch der Geheimnisse‘ habe ich dann als ,Marche obscure‘ ins Französische übersetzt“, sagt sie. Warum das? „Ja, auf Deutsch Klang der Titel irgendwie 08/15“. Das soll ihre Musik nicht sein. Und auch Charlotte selbst ist besonders. Wenn es das nächste Mal langweilig wird in der Schule, dann zeigt sich warum.