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Bei den Maulbronner Klosterkonzerten lässt Bernd Glemser aus Schuberts Kompositionen romantische Träumereien werden. Foto: bechtle
Bei den Maulbronner Klosterkonzerten lässt Bernd Glemser aus Schuberts Kompositionen romantische Träumereien werden. Foto: bechtle
07.09.2015

Pianist Bernd Glemser in Maulbronn: Viel mehr als ein Tastenlöwe

In Maulbronn begeistert der Pianist Bernd Glemser das Publikum. Besonders seine Interpretation von Prokofjew überzeugt.

Maulbronn. Bernd Glemser ist ein einfühlsamer Partner in kammermusikalischen Formationen. Ganz bei sich ist der großartige Pianist freilich als Solist.

Sein Soloabend bei den Maulbronner Klosterkonzerten entwickelte sich im voll besetzten Laienrefektorium zu einem vom Publikum bejubelten Klangfest. In den einleitend gespielten Werken von Wolfgang Amadeus Mozart beeindruckte Glemser mit stupender Technik: Das rasante Laufwerk im Allegro der Sonate D-Dur (KV 576) kam mit perlender Eleganz locker verspielt daher, der langsame Folgesatz (Adagio) erfreute mit nachdenklicher Poesie. Nach dem hellen gab es den dunklen Mozart zu hören – und zwar mit dem „Adagio h-moll“ (KV 540). Insgesamt wirkten Glemsers Interpretationen des Wiener Klassikers brillant ausgefeilt, aber auch akademisch distanziert – der Musikhochschul-Professor ließ sich nicht leugnen.

Die exemplarisch ausgewählten Kompositionen von Franz Schubert, zwei Sätze aus seinen „Drei Klavierstücken“ (D 946), zeigten mehr von Glemsers Liebe zur Musik: Fein ausgesponnene, zuweilen volksliedhaft romantische Träumereien am Flügel, die von Melancholie und wuchtigen Steigerungen abgelöst wurden, beeindruckten die Zuhörer. Die Leidenschaft des Pianisten gehörte aber den russischen Komponisten wie Alexander Skrjabin oder Sergei Prokofjew.

Russische Komponisten

Ein kraftvoller, oft rauschhaft-attackierender Ton dominierte die Wiedergabe von Skrjabins Sonaten-Fantasie Nr. 2 in gis-Moll (op. 19), insbesondere den düsteren Charakter des Presto. Mit Skrjabins „5 Préludes“ (op. 16) gab Glemser schon eine Vorahnung auf den ausladenden Virtuosenstil, den es in seiner Interpretation von Sergej Prokofjews Sonate Nr. 7 B-Dur (op. 83) zu beweisen galt. Ohne in die oberflächliche Attitüde eines Tastenlöwen abzugleiten, bewältigte Glemser die Anmutungen der Partitur mit robuster Kraft, Elan und einer unnachgiebigen Ausformung der teils extremen Rhythmen. Der aggressive Geist dieser Musik fand in ihm einen Meister. Gerade die nervösen, beinahe barbarischen Klavier-Passagen gelangen Glemser hervorragend. Sein Spiel unterstütze den Kontext der Komposition: Prokofjew hatte seine Sonate unter dem Eindruck fürchterlicher Ereignisse im Zweiten Weltkrieg komponiert.

In Maulbronn hat es Glemser geschafft, diesen Krieg zum Klang werden zu lassen.