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13.05.2016

Pianist Justus Frantz mit Beethoven im Wildbader Kurtheater

BAD WILDBAD. Er kam, sah – und rettete. Denn hätte Justus Frantz bei einem Kuraufenthalt 1983 nicht den Anstoß gegeben, das Königliche Kurtheater in Bad Wildbad zu erhalten, wäre es wohl abgerissen worden. In den Folgejahren gab der erfolgreiche Pianist und Dirigent mehrere Wohltätigkeitskonzerte.

Weg zur Meisterschaft

Im Rahmen des ersten Jahresprogramms des Fördervereins zeigt der fast 72-Jährige Beethovens Weg zur Meisterschaft auf – anhand von drei bedeutenden Klaviersonaten: der „Pathetique“ in c-Moll op. 13, der „Mondscheinsonate“ in cis-Moll op. 27/2 und der „Appassionata“ in f-Moll op. 57. Großartig, wie kompromisslos der Pianist dabei die Kontraste hervorhebt, wie leidenschaftlich er die schnellen Sätze auf die Spitze treibt und den langsamen melancholische Melodienseligkeit einhaucht. Vielleicht ein wenig zu hart, bisweilen mit unschönen Nebentönen, fällt sein Anschlag im kühnen Kopfsatz der „Pathetique“ aus. Das Adagio ist das pure Gegenteil, strahlt Ruhe aus, klingt weich und melodisch.

Musikalische Gegensätze

Dass Beethoven unter zunehmender Taubheit litt und trotzdem nicht aufgab, geradezu besessen war von Musik, bringt Frantz zwischen den Stücken zur Sprache. Mit unbändiger Kraft und Kampfeslust geht er vor allem die „Appassionata“ an, die vor Gegensätzen nur so strotzt. Wie der Meister selbst, wollte der Interpret das Feuer in den Herzen der Zuhörer entfachen – das ist ihm temperamentvoll gelungen. Und noch etwas: Das Schicksalhafte, das unsägliche Leiden kommt auch bei der „Mondscheinsonate“ gut zum Ausdruck. Feinfühlig erklingt der berühmte erste Satz. Schade nur, dass das der Pedaleinsatz am Schluss des endlos wirkenden Klangs kurz abbricht. Unruhe und Trotz strahlen dagegen die feurigen Fingerläufe und heftigen Akkorde im dritten Satz aus, während der zweite mit tänzerischer Note daherkommt. Drei Chopin-Stücke spielt Frantz als Zugabe – das rauschende Impromptu op. 66 begeistert schon vor der Pause.

Anita Molnar