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Pianist Justus Frantz.  Foto: Molnar 

Pianist Justus Franz gibt Konzert: Lyrik gepaart mit Leidenschaft

Bad Wildbad. Justus Frantz braucht keine Noten, nur eine Tasse Kaffee. Der bekannte Pianist kommt gerade aus Israel, wo er als Chefdirigent ein großes Orchester leitete, und will nach dem Konzert im Wildbader Kurtheater weiter in Richtung Saarbrücken. „Ich gebe mehr Konzerte denn je“, erzählt der 73-Jährige und rührt in seinem Kaffee. In den Achtzigerjahren hat er das kleine Königstheater bei einem Kuraufenthalt entdeckt und es vor seinem Zerfall gerettet.

„Für Wildbad ist das eine unglaubliche Bereicherung“, sagt er und setzt sich an den Flügel. Auf Wunsch spielt Justus Frantz zuerst Mozart – den ersten und dritten Satz aus der A-Dur-Sonate KV 331. Und da er ohnehin vom Programm abgewichen ist, schiebt er ein paar Etüden von Chopin gleich hinterher. Die erste der angekündigten Beethoven-Sonaten folgt erst nach 45 Minuten. Schon im vergangenen Jahr hat Frantz damit vor ausverkauftem Haus begeistert, auch diesmal geht ein Raunen durchs Publikum. Doch zunächst zu Mozart: Der liebliche Variationensatz kommt präzise und federleicht daher, hübsch verziert und anmutig zum Träumen. Der als „Türkischer Marsch“ bekannte dritte Satz strotzt dagegen vor Kraft, Klangfülle und exotischem Kolorit. Lyrischer wird es wieder mit Chopin, besonders mit der romantisch-zarten „Tristesse“-Etüde Nr. 3 op. 10. In einem Guss mit viel Pedal erklingt die Etüde Nr. 1 op. 25, leichtfüßig schnell die Nr. 2. Klirrend-spritzig und spielerisch-gewandt auch die Etüde Nr. 5 op. 10. Als Zugabe folgt am Ende noch das virtuose Impromptu Nr. 4 op. 66. Und von Beethoven? Da greift Justus Frantz ebenfalls in die Schublade großer Meisterwerke. Noch vor der Pause interpretiert er die als „Pathétique“ bekannte c-Moll-Sonate op. 13 mit all ihrem Schmerz und Leidensgehalt. Denn Beethoven komponierte das Werk 1799 – bei drohender Taubheit. Die panische Angst, als Musiker nicht mehr ernst genommen zu werden, spiegelt sich vor allem im vorwärtsdrängenden Kopfsatz wider, bei dem Frantz vom Piano ins Forte und aus elegischen Momenten ins unruhig-treibende Fahrwasser wechselt. Besonders intensiv wirken die wuchtigen Akkorde mit der darauffolgenden Stille. Der langsame Satz ist zum Augen schließen und Genießen. Die Zuhörer danken mit herzlichem Applaus.