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Großes Vergnügen: Beim Schwarzwald-Musikfestival sorgt das Südwestdeutsche Kammerorchester mit Pianist und Entertainer Martin Schmitt für ein besonderes Konzerterlebnis. Fotos: Ketterl
Großes Vergnügen: Beim Schwarzwald-Musikfestival sorgt das Südwestdeutsche Kammerorchester mit Pianist und Entertainer Martin Schmitt für ein besonderes Konzerterlebnis. Fotos: Ketterl
Mark Mast
Mark Mast
06.06.2017

Pianist und Entertainer Martin Schmitt begeistert zusammen mit SWDKO

Pforzheim. Das Publikum des fast ausverkauften Kulturhaus Osterfeld in Pforzheim ist von der einzigartigen Mischung von Klassik, Soul und Humor begeistert. Das Crossover-Konzert „Kammerorchester goes Blues“ verbindet verschiedene Kunstrichtungen.

Wie soll das zusammengehen? Diese Frage stellt sich wohl jeder im fast ausverkauften Kulturhaus Osterfeld, nachdem er die Akteure vorgestellt bekommt. Da ist zum einen das Südwestdeutsche Kammerorchester, das im besten romantisch-klassischen Sinn den Abend beginnt – mit viel Melancholie, Süße und Seriosität. Und da ist der bayrische Jazz-Pianist, Sänger und Entertainer Martin Schmitt, der mit flotten Sprüchen, Tasten- und Mienenspiel begeistert. Im zweiten Teil des Crossover-Konzerts „Kammerorchester goes Blues“, das im Rahmen des Schwarzwald Musikfestivals stattfindet, sollen sich beide begegnen.

Dass dies möglich und das Festival nach längerer Pause wieder in der Goldstadt zu Gast ist, ist der Unterstützung durch die „Pforzheimer Zeitung“ zu verdanken, wie Intendant und Dirigent Mark Mast betont. Er hatte auch die Programmidee, studierte die eigens geschriebenen Arrangements mit dem Südwestdeutschen ein. Dieses betritt nicht gänzlich Neuland, nähert sich nach Konzerten wie „Rock trifft Klassik“ nun dem Blues – mit Erfolg. Die Stile vermischen sich zu einer fulminanten und groovigen Show mit viel Humor, an dem auch die Orchestermusiker sichtlich Spaß haben.

Doch ganz von vorn: Mit Edward Elgars weich fließender Streicherserenade e-Moll tastet sich das SWDKO unter Leitung von Mast heran, gestaltet vor allem das emotionale „Adagio for Strings“ von Samuel Barber mit viel Crescendo, Vibrato und einem gedehnt-zarten Schluss. Mit dem träumerischen „Moon River“ aus dem Film „Breakfast At Tiffany’s“ bewegt sich das Orchester langsam in jazziges Terrain, wo sich Martin Schmitt dann in seinem Solo vollends verausgabt.

Um gleich die Sache mit dem Namensvetter zu klären: „Ich bin’s nicht“, sagt der Unterhaltungskünstler und spielt auf den früheren Skispringer an. In 30 Bühnenjahren mache man so seine Erfahrungen – vor allem mit Hausmeistern. In Dessau meinte einer „Ach, probier’n s’es jetzt mit n’ Klavier?“ Ein paar Episoden über frisch gestrichene und völlig verstimmte Pianos folgen, bevor er sich an den Osterfeld-Flügel setzt – und beim „Saint Louis Blues“ nur so sprudelt, mit dem Fuß aufstampft und sich in aller Ruhe umschaut. Oft flirtet der 49-Jährige so mit dem Publikum, zieht die Augenbrauen hoch, lächelt. Über den Applaus ist er selbst überrascht: „Wahnsinn, wie seid’s denn ihr drauf – Explosione“, sagt der selbst ernannte „Münchner Hallodri“ in breitem Dialekt.

Mehrfach Zwischenapplaus gibt es auch beim rasend-schnellen „Boogie Woogie Jump“ und dem verjazzten Prélude cis-Moll von Rachmaninoff als „Russian Rag“. Sieben eigene Stücke bringt Schmitt dann mit dem Kammerorchester auf die Bühne, wirkt bei dem samtig-souligen „Capricorn“ zunächst etwas ernster. Spritzig aber schon das zweite, „Wia kamma des überlem“. Spielfreudig zupft das Orchester, während der Pianist die Achtziger besingt, wo ohne Helm gefahren wurde und wo es weder Kindersicherung noch Vollkorndinkelbrote gab.

Herrlich auch die fachkundigen Einführungen, bei denen der wortgewaltige Kabarettist von verminderten Septakkorden quasselt und nuschelnd erklärt, wann es von Dur zu Moll geht – „des kann euch aber ziemlich egal sein“. Schmitt bringt die Zuschauer nicht nur zum Dauerlachen, er bezieht sie auch ein – mitsingend und schnipsend bei „Midlife Crisis“, „Hör doch endlich auf zu jammern“ – und bei der sächsischen Zugabe „Sex Bomb“. Wie gut Orchester und Pianist harmonieren, zeigt sich dann bei dem Walzer „Flotter Dreier“, bei dem im Wechsel und im Tutti Akzente gesetzt werden. Wie das zusammengeht? Phänomenal gut.