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05.10.2015

Pianistin Eva-Maria Rieckert spielt Meisterwerken der Musik

KÖNIGSBACH-STEIN. Es fällt schwer, sich seinem Reiz zu entziehen: Chopins Trauermarsch ist wie ein Sog, sein schwerer Glockenschlag ein einhämmernder Ohrwurm. Und doch hat der dritte Satz aus der b-Moll-Sonate op. 35 an diesem gut besuchten Klavierabend nichts erdrückend Lethargisches. Relativ schnell und flüssig geht ihn die Pianistin Eva-Maria Rieckert an. Es scheint fast so, als würde in ihm noch der feurige Auftakt mit Beethovens F-Dur-Sonate op. 54 nachglühen.

Ebenso die beiden vorausgegangenen, nicht minder kraftvoll und schnell gespielten Anfangssätze von Chopin. Und so wird der Trauermarsch zum gern gehörten, aber nicht alles bestimmenden Moment dieses spannungsgeladenen Sonatenabends, mit dem die „pro arte“-Reihe im Bildungszentrum Königsbach eröffnet wurde. Chopin dominiert: Gleich drei Werke stehen auf dem Programm, selbst bei den Zugaben rückt er in den Vordergrund. Eher untypische Sonaten will die in Pforzheim geborene Pianistin und Dozentin, die vor ihrem Spiel gerne noch ein paar Worte zu den Werken preisgibt, bei ihrem Konzert präsentieren – also keineswegs nur solche, die einen klassisch viersätzigen Aufbau aufweisen. Und so erlaubt sich Rieckert im zweiten Teil einen kleinen Kunstgriff, leitet bei Schumanns Sonate op. 11, fis-Moll vom Scherzo direkt zum eigenständigen cis-Moll-Scherzo op. 39 von Chopin über.

Übermütige Sprünge und betont tänzerische Rhythmen prägen Schumanns dritten Satz, während Rieckert bei Chopins fantasieartigem Scherzo vor allem den Kontrast zwischen feierlichen Akkordfolgen und flink herabsprudelnden Läufen herausstellt.

Besonders schön gelingt der Pianistin die traumhaft zarte, schwebende Melodie bei der Aria aus Schumanns fis-Moll-Sonate. Verträumt und tonmalerisch auch der Beginn von Chopins Ballade op. 38, F-Dur, der umso heftiger in ein ungestümes Presto übergeht. Zunehmend virtuoser und rasanter bewegt sich die Pianistin auf den Schluss zu, der mit einem Innehalten versehen ist. Eva-Maria Rieckert hat das begeisterte Publikum in einen regelrechten Sonatenrausch versetzt – und spielt deshalb als Zugabe eine barocke Sonate von Scarlatti sowie zwei Etüden von Chopin. Anita Molnar