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Zählt noch immer zu den meistgespielten Sängern des Planeten: Billy Joel.Foto: Roessler

„Piano Man“ wird 70: Billy Joels Nostalgie zieht immer noch

New York. Seit knapp sechs Jahren geht das nun schon so: Der Superstar klettert ein Mal pro Monat auf dem Landeplatz vor seiner Riesenvilla in der Vorstadt in den Hubschrauber, dann singt er knapp drei Stunden im berühmten Madison Square Garden mitten in New York seine Hits – und während noch die letzten Fans aus der Arena tröpfeln, ist er schon längst wieder auf dem Weg nach Long Island. Heute wird Billy Joel in dieser monatlichen „Residency“ im „Garden“ zum 64. Konzert in Folge aufbrechen. Und die Stimmung dürfte dann eine Besondere sein: Es wird Joels Jubiläumskonzert zum 70. Geburtstag.

Der andauernde Erfolg des Mannes, der am 9. Mai 1949 als Kind eines deutschen jüdischen Vaters und einer britischen jüdischen Mutter im Arbeiterviertel Bronx geboren wurde, ist erstaunlich. Nie war er so eindeutig Arbeiterklasse wie Bruce Springsteen, nie so intellektuell-warmherzig wie Simon & Garfunkel. Ohne Dämonen blieb Joels Leben nicht: Depressionen Anfang der 1970er-Jahre und einen Selbstmordversuch hat er überstanden. Inzwischen hat William Martin Joel seit mehr als 25 Jahren kein Album mit neuer Popmusik mehr veröffentlicht. Der Americana-Pop des von der Kritik stets etwas belächelten Songwriters verkauft sich trotzdem immer noch hervorragend.

Auf sechs Grammys, 13 Top-Ten-Singles und knapp 85 Millionen verkaufte Alben kommt Joel laut dem Verband der Musikindustrie der USA – weltweit sind es laut Joels eigener Homepage 150 Millionen. Der „Piano Man“, sein heutzutage vielleicht bekanntester Song, schaffte es aber in den Billboard-Charts der USA im Jahr 1974 nur auf Platz 25. „It’s Still Rock’n’Roll To Me“, „We Didn’t Start The Fire“ und „Tell Her About It“ landeten dagegen alle auf der Eins.

Wer einmal ein Konzert von ihm besucht, versteht das Erfolgsgeheimnis des Songwriters schnell: Billy Joel gibt den Massen, was sie verlangen. „Schließ’ deine Augen, und es ist wieder 1982“, hat der „New Yorker“ dieses Konzept genannt. Wenn dann in der zweiten Konzerthälfte die unverzichtbaren Klassiker „Uptown Girl“ gespielt werden, geht das Publikum begeistert mit und schwelgt spürbar in Erinnerungen an die zurückliegenden Jahrzehnte – womöglich auch an Zeiten, die sich im Nachhinein einfacher anfühlen. Ans Aufhören denkt der bullige Glatzkopf derzeit aber weder im Privatleben noch auf der Bühne.