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Achthändiges Pianospiel: Roberto Domingos, Fany Solter, Franziska Lee und Sontraud Speidel (von links) spielen Auszüge aus „Hänsel und Gretel“. Foto: Molnar
Achthändiges Pianospiel: Roberto Domingos, Fany Solter, Franziska Lee und Sontraud Speidel (von links) spielen Auszüge aus „Hänsel und Gretel“. Foto: Molnar
06.05.2016

Poetischer Klangzauber bei „pro arte“

Remchingen. In eine Welt der Träume entführte der Auftakt der „pro arte“-Saison, zu dem viele Kinder und Konzertfreunde in die Kulturhalle Remchingen gekommen sind. Bilder aus „Hänsel und Gretel“, „Dornröschen“ und „Romeo und Julia“ wurden lebendig.

„Es war einmal ein armer Holzhacker“, erzählt Lena Wehle, die kokett moderierend durch den Abend führt. Behutsam greifen Sontraud Speidel und Franziska Lee sowie Fany Solter und Roberto Domingos in die Tasten. Die Pianisten sitzen paarweise an zwei Flügeln, spielen Vorspiel und Traum-Pantomime aus Humperdincks Oper „Hänsel und Gretel“ in der Bearbeitung für Klavier zu acht Händen von Otto Singer. Und klingt es eben noch ruhevoll-mystisch, so breiten sich bald eine gewaltige Dynamik und Klangfülle aus.

Geheimnisvoll bleibt es auch bei Ravels kurzen Stücken aus „Ma mère l’oye“, die Solter und Domingos mit poetischem Klangzauber präsentieren. Besonders gelingen die hellglitzernden Sprünge bei „Laideronnette“ und „Impératrice des Pagodes“ oder die Harfenglissandi bei „Le jardin féerique“. Ein wildromantisches Sechs-Hände-Feuerwerk ist mit Lee, Solter und Speidel zu erleben, die mit Carl Czernys Variationen op. 295 aus Bellinis Oper „I Capuleti i Montecchi“ mitreißen. Einfach sagenhaft, wie die 30 Finger dicht beieinander springen. Da sind Kontraste von gravitätischen und eiligen Läufen zu hören, galant-bewegliche Triller, tänzerische Rhythmen oder auch verträumte Passagen.

Fantastisch erklingt auch Saint-Saëns „Karneval der Tiere“ in Zusammenarbeit mit der Musikschule Westlicher Enzkreis. Herrlich, wie Eva-Maria Rieckert und Domingos als Kängurus auf den Tasten hüpfen, wie Susanne Reiner und Nicola Hiller (Violine) mit reichlich Flageoletten die Esel imitieren oder wie Iris Finkbeiner (Kontrabass) einen leidenschaftlichen Elefantentanz aufs Parkett legt. Klangfarbliche Reize mischen auch Ruth Wolfstieg (Viola), Vasily Bystrov (Violoncello), Laura Ellen Paulu (Querflöte), Bernd Wiedamann (Klarinette) und Shinichi Minami (Stabspiele) unter – und Dirigent Karl-Joseph Lejeune lässt zum Finale und als Zugabe noch mal alle „Tiere“ festlich aufspielen.