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Christoph Sonntag gibt vor der Kulisse des New Yorker Broadways seine Wortkaskaden zum Besten. Foto: Meyer

Pointen als Dauerfeuer: Christoph Sonntag zum Gast im Pforzheimer CongressCentrum

Pforzheim. Schenkelklopfende Kracher und bitterböses Kabarett: Bei Christoph Sonntags neuem Programm „Bloß kein Trend verpennt“ weiß man nicht so genau, ob man lachen oder sich angesichts der angeprangerten politischen Kapriolen ärgern soll. Vor der bunten Kulisse des New Yorker Broadway brennt der „König des schwäbischen Kabaretts“ fast drei Stunden lang ein Wortfeuerwerk ab.

Und da wird er ganz schön politisch: „Es läuft – angesichts von Brexit und Gelbwesten – alles auf ein Kern-Europa hinaus“, betont er. Und nennt auch gleich die „drei tollsten Länder der Welt: „Baden-Württemberg, Elsass und Nordschweiz.“

Aber Sonntag, wäre nicht Sonntag, wenn es da nichts zu lachen gäbe. Beispiel: „Die Anzüge Dobrindts sind für mehrere Fälle von grauem Star verantwortlich“ und „Seehofer leidet am Porzellansyndrom: Er hat nicht mehr alle Tassen im Schrank.“

Die begeisterten Zuschauer erleben im CongressCentrum einen Tag mit Christoph Sonntag – und der beginnt selbstredend gleich am Morgen: „Ich stehe entweder früh auf oder freundlich.“ Dann gib es erst mal eine gefühlte Stunde lang Witze über Waldorfschüler – muss er doch seine Töchter dort abliefern. In dieser Schule könne man die zwei wichtigsten Dinge des Lebens lernen: „Wie man es zu nichts bringt und es selbst nicht einmal merkt.“ Nach den Waldis sind die Frauen dran: „Mit Frauen diskutieren ist wie AGBs lesen.“ Beim anschließenden Einkauf entdeckt er Ungewöhnliches: „Suggering und waxing“ – samt schmerzhaftem Ausprobieren. Doch dann hat er sich den US-Präsidenten als Ziel seines bitteren Spotts auserkoren: Trump sei der Beweis, dass bei manchen Menschen der Hirntod erst Jahre später festgestellt werde.

Klappfahrrad und Filmeinspieler – Sonntag lockert seine Worttiraden immer wieder auf, etwa mit dem Ehepaar Franz und Edith in der ersten Reihe, die er regelmäßig in die Show einbezieht.

Merkel, die Nebelkrähe

Nach der Pause ist Sonntag zum Bruder Christopherus in Mönchskutte mutiert: In der Bütt gibt er schon mal Einblicke in sein „Das jüngste Gerücht“, das er am 3. März in der Alten Kelter Fellbach abhält. Da bekommen dann vor allem Baden-Württembergs Politiker ihr Fett ab, aber auch Angela Merkel, „die Nebelkrähe, die schon längst die Orientierung verloren hat“. Und da geht es dann auch kräftig unter die Gürtelline – eben typisch Sonntag.

Aber als er dann noch Günther Oettinger und Winfried Kretschmann als Handpuppen ins Zwiegespräch treten lässt, ist kein Halten mehr. Tosender Applaus nach einem ebenso langen wie kurzweiligen Abend.