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Matthias Egersdörfer macht bitterböse Witze über seine Lebensabschnittspartnerin Carmen (Claudia Schulz).  Frommer
Matthias Egersdörfer macht bitterböse Witze über seine Lebensabschnittspartnerin Carmen (Claudia Schulz). Frommer
23.11.2015

Pointenfrei, peinlich, provokativ: Matthias Egersdörfers aktuelles Programm

Pforzheim. Unverdauliche Kost: „Carmen oder die Würde des Menschen ist ein Scheißdreck!“ nennt Matthias Egersdörfer (46) sein aktuelles Programm.

Und damit toppt er seinen zurückliegenden Osterfeld-Auftritt (Ende Januar 2014) mit einem von der Bühne hagelnden Trommelfeuer an behinderten-, frauen-, kinderfeindlichen, rassistischen und homophoben Anwürfen. Der Berufs-Choleriker gibt wie gewohnt auf der Bühne das pure Ekelpaket, hat sich für seine aktuelle Provokation aber mit zwei Mitspielern umgeben: Andy Maurice Müller spielt seinen tuntigen Nachbarn René Eichhorn und Claudia Schulz mimt seine geistig minderbemittelte Lebensabschnittspartnerin Carmen.

Star und Widerling

Als Plot liefert Egersdörfer dem Pforzheimer Publikum eingangs eine Legende: Seine Agentur habe für 2015 ein völlig neues Programm verlangt, er sei aber aufgrund von Überarbeitung gezwungen, die Last der neuen Show auf mehrere Schultern zu verteilen. So weit so gut. Was im Anschluss folgt, ist die wenig einfallsreiche Inszenierung einer völligen Demontage der beiden anderen Bühnenfiguren. Matthias Egersdörfer ist dabei Star, Widerling und Regisseur in Personalunion.

Zunächst zerlegt er Carmen mit sich in der Intensität stetig steigenden Diffamierungen: „Du riechst aus ’m Maul wie Bio-Müll nach zwei Wochen im Sommer.“ Insbesondere wenn Carmen versucht mitzuspielen, gerät er in Hochfrequenz-Rage: hässlicher Höhepunkt, der (nur von ihm) geschilderte Besuch bei den Schwiegereltern. Und weil er die grobe Kelle schon ’mal ausgepackt hat, beschimpft er das Osterfeld-Publikum als „typische Gyrospfannengesichter“ gleich derb mit. Vielleicht liegt es an der unablässigen Schimpfwortkanonade, dass eine möglicherweise dramaturgisch angestrebte Parteinahme der Zuschauer – es waren immerhin gut 80 im Malersaal – zugunsten der verbal übel malträtierten Carmen ausbleibt. Oder nur stumm geschieht.

Wer darauf gehofft hat, dass sich auf der Bühne durch das Mitwirken von „Nachbar Eichhorn“ etwas zum Besseren ändert, sieht diese Hoffnung rasch erstickt. Egersdörfer führt auch ihn als minderwertigen Mitspieler vor, schildert genüsslich Sexualpraktiken mit Tieren und unterstellt ihm Pädophilie. Als Eichhorn (Andy Maurice Müller) endlich reagiert: „Das war so aber nicht abgesprochen“, spielt das keine Rolle mehr. Denn jetzt hat Matthias Egersdörfer erreicht, was der Titel „Carmen oder die Würde des Menschen ist ein Scheißdreck!“ ja verspricht.