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Lässig und weit nach hinten gelehnt nimmt Rolf Miller das Weltgeschehen aufs Korn. Foto Roller 

Politisch inkorrekte Unterhaltung: Rolf Miller im Kulturhaus Osterfeld

Pforzheim. Schon wenn er nur die Titelmusik hört, schaltet er um. Tagesschau? Kann ihm mittlerweile gestohlen bleiben. Guckt er nicht. Warum auch? Läuft doch sowieso immer nur das Gleiche: zuerst „der RKI mit seinen Zahlen“, dann der „SPD-Lauterbach“. Und wenn noch Zeit ist, der Trump. Oder die Greta „mit Abitur-Nobelpreis“. Oder der übergewichtige Nordkoreaner. Braucht Rolf Miller alles nicht, überhaupt nicht. Das prallt an ihm ab „wie ein Reh an der Motorhaube“. Breitbeinig sitzt er am Freitagabend auf der Bühne im Kulturhaus Osterfeld, den Oberkörper weit nach hinten gelehnt. Die ganze Politik versteht er nicht. Aber wer tut das schon?

Die „Inselfurzer“ aus Großbritannien wollen immer noch raus aus der Europäischen Union. Dabei hat ihr Land überhaupt nichts zu bieten: „Kein Wetter, keine Hautfarbe, kein Essen, nichts.“ Außer vielleicht die Monarchie. „God shave the Queen.“ Oder so ähnlich. Und was soll das überhaupt für ein Wort sein, Brexit? „Das hört sich an wie ein neues Katzenfutter, das Rattengift schon reingemischt.“

Die Welt ist verrückt: Überall hört man „MeToo“, Ökos „mit Zopf und Windelhosen“ fahren Liegefahrrad, den Verschwörungstheoretikern wächst „der Aluhut aus der Fontanelle“, „Hubschrauber-Mütter“ würden ihrem Nachwuchs beim Waldausflug am liebsten von zu Hause aus das Autan per Drohne hinterherwerfen.

Und dann diese Kampfradler, die die Straßen mitsamt Autos abschaffen wollen. „Sollen sie ruhig, dann fahre ich mit meinem Diesel auf dem Radweg.“ Miller nimmt es gelassen. Hauptsache, die Merkel hat alles im Griff. Hin und wieder lehnt er sich vor, stützt die Hände auf die Knie. Zweimal, sagt er, habe die Merkel in ihrer Kanzlerschaft wirklich was machen müssen: Atom und Asyl – und jetzt Corona. „Ohne den Virus wäre die SPD schon bei 0,37 Prozent.“

Miller redet einfach drauf los, ohne Punkt und Komma. Bei ihm bekommt wirklich jeder sein Fett weg: Der „Türken-Kapo“ Erdogan, „Ex-Außenminister Jamaika a.D.“ Cem Özdemir und Jogi Löw, der einst den „Uwe-Seeler-Gedächtnis-Griff“ gemacht hat. Und natürlich Shakira, die singende „Kreissäge aus Kolumbien“. Wobei: „Rein optisch ist die Musik in Ordnung.“ Miller grinst verschmitzt. Zwischendurch ein großer Schluck aus der Wasserflasche. Dann geht es weiter.

Ausländer. Schwieriges Thema. Man darf ja nichts mehr sagen. „Traust du dich als Frau noch nachts allein nackt auf die Straße?“ Ganz schnell wird man heute in eine Ecke gestellt, auch von spaßbefreiten Tierschützern. „Was machst du mit einem Hund ohne Beine? Um die Häuser ziehen.“

Miller lässt nicht locker. Politische Korrektheit kennt er nicht, braucht er nicht. Wozu auch? Ist doch viel besser, den Finger tief in die Wunde zu legen. Als Zugabe furzt er mit den Händen „Hänschen klein“ und wirft Pappteller ins maskierte Publikum.