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Glückliche Gewinner: Reba McEntire, Jennifer Nettles und Dolly Parton (von links). Foto: Farr
Glückliche Gewinner: Reba McEntire, Jennifer Nettles und Dolly Parton (von links). Foto: Farr
04.11.2016

Popindustrie in familiär: Country-Awards verliehen

Nashville. Die Country-Musikszene hat sich einmal mehr selbst gefeiert: Die Verleihung der 50. Awards der Country Music Association (CMA) am Mittwochabend in Nashville geriet erwartungsgemäß zum Schaulaufen der Country-Größen. Zu den Preisträgern der Jubiläums-Awards gehörten Superstar Garth Brooks, Carrie Underwood und Chris Stapleton. Königin des Abends war Dolly Parton (70), die für ihr Lebenswerk geehrt wurde. In Europa führt Countrymusik vergleichsweise ein Nischendasein. Das soll sich aber ändern.

Jedenfalls gab sich das Genre redlich Mühe, aus seiner vermeintlich spießigen Ecke zu kommen. Brad Paisley und Carrie Underwood moderierten die Gala und sparten nicht mit Seitenhieben auf den US-Wahlkampf und Donald Trump.

Ikone Dolly Parton steht weit über derlei Imagekorrekturen. Als die 70-Jährige nach einigen Ständchen ihrer Kollegen auf die Bühne kam, um den „Willie Nelson Award für das Lebenswerk“ entgegenzunehmen, meinte sie knochentrocken: „Ich bin gerührt und würde nur zu gerne weinen, aber das würde mein Make-up ruinieren.“

Andere Preisträger zeigten sich wesentlich emotionaler. Eine Gefühligkeit, nach der sich die Menschen in einer immer hektischer werdenden Welt verstärkt sehnen, meint jedenfalls Dolly Parton: „Unser Leben wird ständig schneller, lauter und komplizierter. Da suchen die Menschen einen simplen, bodenständigen Gegenpol“, sagte sie in einem Interview.

Und tatsächlich: So groß und spektakulär die Inszenierung der Gala sein mochte – sie hatte auch etwas von einem Familientreffen.

Als Beleg für diesen Familiensinn lässt sich auch die 1958 in Nashville gegründete Country Music Association (CMA) nennen, eine aus mehr als 7600 Mitgliedern bestehende Interessengemeinschaft. Ziel: der Countrymusik mehr Gehör und damit mehr Umsatz zu verschaffen.

Jüngster Coup der mächtigen Organisation ist die Mitinitiierung des seit 2013 in Europa stattfindenden Festivals „Country2Country“ (C2C). Die bis zu drei Tage dauernde Veranstaltung geht alljährlich in London, Dublin und weiteren Städten über die Bühne und präsentiert nicht nur die zugkräftigsten Namen des Genres, sie zeigt auch die stilistische Bandbreite der Country-Szene. Vielleicht klappt es ja so mit dem Erfolg in Europa?