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Zusammen mit dem London Symphony Orchestra zeigt Maria Joao Pires beeindruckendes Spiel.  Kemper
Zusammen mit dem London Symphony Orchestra zeigt Maria Joao Pires beeindruckendes Spiel. Kemper
15.12.2015

Pracht ohne Effekthascherei – Starkes Konzertwochenende in Baden-Baden

Baden-Baden. Barock, Beethoven, Brahms und Bruckner: Das letzte Konzertwochenende des Jahres vor dem traditionellen Weihnachtsgastspiel des St. Petersburger Mariinsky-Balletts war im Baden-Badener Festspielhaus diesen vier Bs gewidmet.

Der Bogen der drei dabei musizierenden Ensembles spannte sich von dem spanischen Barockensemble Hespèrion XXI unter Jordi Savall über den Auftritt der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen zum Konzert des London Symphony Orchestra, das einmal mehr mit seinem ersten Gastdirigenten Daniel Harding an die Oos gekommen war.

Das umfangreichste Werk dieses kleinen Festivals – die vierte Sinfonie von Anton Bruckner – stand dabei am Schluss. Schon der Blick aufs Podium überraschte. Harding hatte die Blechbläser in den meisten Stimmen doppelt besetzt. Das sorgte an den dynamischen Höhepunkten in allen vier Sätzen, besonders aber bei der Apotheose des Finales, für Pracht und einen strahlenden Glanz.

Dynamische Vielfalt

Nun war aber Daniel Hardings Bruckner alles andere als effekthascherisch. Ganz im Gegenteil: Der englische Maestro bot eine klar disponierte Wiedergabe der Partitur. So waren die Gesangslinien genau phrasiert und durch einen dezenten Einsatz des Vibrato klar gezeichnet. Faszinierend breit war die dynamische Skala und die Farbenvielfalt des Orchesters.

Im ersten Teil dieses Konzertes gab die Pianistin Maria Joao Pires ihr Debüt im Festspielhaus. Zusammen mit Daniel Harding und dem beinahe vibratolos spielenden London Symphony Orchestra gelang ihr eine phänomenale Wiedergabe des dritten Klavierkonzerts in c-moll von Beethoven. Maria Joao Pires gestaltete ihren Part mit einer sagenhaften Genauigkeit in der Modellierung der Motive und Themen. So wie der Orchesterpart durch markante Akzente und eine gewaltige Breite der musikalischen Charaktere bestimmt war, hatte der Solopart eine immense innere Spannung und Stringenz. Für den begeisterten Beifall des Publikums im voll besetzten Festspielhaus bedankte sich die Pianistin mit der Bagatelle op. 126 Nr. 5 von Beethoven.

Ein anderes epochales Konzert des Bonner Meisters war am Abend zuvor mit dem Violinkonzert D-Dur erklungen. Janine Jansen war wieder einmal im Festspielhaus, begleitet von der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen unter Paavo Järvi. Auch hier waren Einsichten der historischen Aufführungspraxis wirksam; der Klang war schlank und durchhörbar. Janine Jansen war eine ebenso ausdrucksvoll gestaltende wie überlegen formende Interpretin des Soloparts. Järvi zeigte sowohl bei der Begleitung der Solistin als auch bei der vierten Sinfonie von Brahms, dass er es meisterhaft versteht, die Spielfreude und Flexibilität der Bremer Kammerphilharmonie für innerlich vibrierende und differenzierte Wiedergaben des klassisch-romantischen Kernrepertoires zu nutzen.