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16.07.2015

Preisverleihung AppArtAward 2015

115 Apps aus insgesamt 20 Ländern – der AppArtAward beweistnun auch im fünften Jahr seine internationale Präsenz und Akzeptanzals Wettbewerb für digitale Kunst durch die vielfältige, multinationaleund renommierte Teilnehmerschaft. Die Preissponsoren GFTTechnologies AG, CAS Software, MFG Innovationsagentur MedienundKreativwirtschaft und das ZKM | Karlsruhe übergeben in diesemJahr den „Künstlerischen Innovationspreis“, den Sonderpreis„Crowd Art“, den Sonderpreis „Game Art“ sowie den Sonderpreis„Sound Art“, die jeweils mit 10.000 € dotiert sind.

Die Gewinner werden am Freitag, den 10. Juli, im ZKM im Rahmen
einer feierlichen Preisverleihung ausgezeichnet. Die Preisverleihung
wird auf www.app-art-award.org live übertragen.
Die Ausschreibung richtete sich an KünstlerInnen, GestalterInnen
und EntwicklerInnen aus aller Welt. Eine namhafte Jury, bestehend
aus David Hermanns, Martin Hubschneider, Ester Petri, Stephan
Schwingeler, Gaël Betrand und Gaëtan Libertiaux, entschied über die
besten Einreichungen aus dem Bereich kreativer Applikationen.
Die Einreichungen für den diesjährigen AppArtAward erfolgten aus der
ganzen Welt: Belgien, China, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich,
Italien, Südkorea, Libanon, Niederlande, Norwegen, Österreich, Polen, Portugal,
Rumänien, Schweiz, Spanien, UK, Ungarn, USA. Die Applikationen
„überzeugten durch eine große Bandbreite an Themen und deren Umsetzung:
Von hochkomplexen Programmierungen bis hin zu einfachen aber
genialen Ideen“, so die Jury. Die Juroren konnten sich durch „die herausragende
Qualität der Apps“ fast in jeder Kategorie schnell auf einen Gewinner
einigen.

Der Künstlerische Innovationspreis geht in diesem Jahr an Fader und
Mandy Mozart für die Android-Applikation EDMT (2015). EDMT, eine
App für einen audiovisuellen, immersiven Trip, ermöglicht es den Usern, mit
dem Smartphone oder Tablet zu „spielen“, um bewusstseinserweiternde
Grafiken und EDM-inspirierte Klänge zu erzeugen. Verschiedene Szenarien
stehen zur Auswahl, in denen spannende audiovisuelle Umgebungen entdeckt
und erforscht werden können. Im Gegensatz zu den Konzepten, die
traditionellen Musikinstrumenten zugrunde liegen, erlaubt EDMT die Interaktion
mit Klängen auf eine dynamische und spielerische Weise. Ihr Zauber
entfaltet sich, wenn zwei Sinne – das Sehvermögen und das Gehör – synchronisiert
werden, um nahtlos in einer einzigen Performance zu verschmelzen.
Die Kunstanwendung wird von GFT Technologies AG mit einem
Preis in Höhe von 10.000 € ausgezeichnet.

Jury-Statement: „Die App vereint die verschiedensten Möglichkeiten, Klänge
und Visualisierungen zu beeinflussen. Sie besitzt einen spielerischen Charakter
und enthüllt durch die Interaktion mit der App immer neue akustische und
visuelle Muster. Dabei basiert die Erzeugung und Beeinflussung auf versteckten
bzw. schwer identifizierbaren Algorithmen und Beeinflussungsmöglichkeiten,
die ein System bilden, aus dem trotzdem ein sich immer wieder veränderndes
und auch kaum zu reproduzierendes Ergebnis und Ereignis entsteht.
Damit knüpft die App an Ansätze der Generativen Kunst, bzw. Musik
an und transportiert sie auf eine digitale Basis. Die sehr gut gelungene Verbindung
von Ton- und Bildbeeinflussung zeigt damit einen universalistischen
Ansatz. Der Einzug dieses Universalistischen ist ein aktueller und innovatorischer
Trend, der die Jury überzeugte.“

https://vimeo.com/tag:edmt+app

Den Sonderpreis Crowd Art in Höhe von 10.000 € erhält Michael Volkmer
von Scholz & Volkmer für die iOS-Applikation Radwende (2014).
Im Test des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs hat Wiesbaden als die
fahrradunfreundlichste Stadt Deutschlands abgeschlossen. Ursache dafür ist
nicht nur die fahrradfeindliche Infrastruktur, sondern auch die fehlende Lobby
für RadfahrerInnen. Scholz & Volkmer entwickelte eine App, die Radfahrstrecken
in Wiesbaden sichtbar macht, indem sie die mit dem Rad gefahrenen
Strecken dokumentiert und daraus eine Stadtkarte generiert. Die Karte als
plakative Darstellung des Radverkehrs in Echtzeit zeigt, an welchen Passagen
Radwege benötigt werden und kann als Planungsgrundlage für die Fahrradinfrastruktur
Wiesbadens dienen. Damit kann Radwende auf die Verkehrsgestaltung
der Stadt Einfluss nehmen. Parallel zu der App wurde im
Landesmuseum Wiesbaden eine Zeichenmaschine ausgestellt, die ebenfalls
die gefahrenen Strecken nachzeichnete. Die abstrakte Visualisierung erinnert
so permanent und öffentlich an die oft übersehenen Zweiradfahrer; die Radwende
App kombiniert Bürgerpetition, Kunst und Klimaschutz.
Ausgezeichnet wird die Applikation von CAS Software mit einem
Preisgeld in Höhe von 10.000 €.

Jury-Statement: „Radwende ist eine App, die sich mit einem konkreten
Missstand beschäftigt. Die Unterrepräsentation der Bedürfnisse von Radfahrern
in der Stadt. Mit der App kann jeder User seine tatsächlichen Routen
durch die Stadt tracken und mit den Daten von anderen Nutzern zu einer
Karte zusammenfügen, die als Ergebnis die von Radfahrern meist genutzten
Wege in einer Stadt erkennen lässt.

Die getrackten Bewegungen der Nutzer werden aber auch täglich analog
durch einen Zeichencomputer während des Erhebungszeitraumes auf eine
Leinwand übertragen. Die App bietet damit auch eine Schnittstelle zwischen
Virtualität und echtem Medium, dem klassischen Bild. Während die App
zudem selber nicht künstlerisches oder spielerisches Handeln direkt anregt,
wird aber durch das alltägliche Handeln trotzdem ein Kunstwerk produziert,
das von den Nutzern gemeinsam geschaffen wird.“

https://vimeo.com/97427566

Der diesjährige Sonderpreis Game Art in Höhe von 10.000 € geht an Philipp
Stollenmayer für die iOS-App Sometimes You Die (2014).
Die App scheint zunächst eine einfache Jump-and-Run-Applikation zu sein.
Doch anstelle einer begrenzten Anzahl von Leben, stehen unendliche viele
zur Verfügung. Die Kollision mit den Hindernissen oder das Verfehlen des
Weges führt zum Tod des Akteurs, der Spielstein bliebt an Ort und Stelle
liegen, ein neuer wird generiert. Ein Teil der Hindernisse lässt sich nur überwinden,
indem die als unbelebte Materie liegengebliebenen Spielsteine zu
Treppen aufgeschichtet werden, während im Hintergrund ein zynischer Text
das Geschehen kommentiert. Der Tod wird in Kauf genommen, um den Weg
und das Spiel fortsetzen zu können – allein Ziel und Ausgang bleiben ungewiss.
Ausgezeichnet wird die Applikation von MFG Innovationsagentur
Medien- und Kreativwirtschaft mit einem Preisgeld in Höhe von
10.000 €.
Jury-Statement: „Das Spiel fördert die bewusste Wahrnehmung von Spielen
und die Reflektion der Rolle des Spielers. Der Spieler findet sich in diesem
Spiel in einer grafisch simplen Spielumgebung wieder, die an die ersten
Computerspiele aus dem Jump’n Run Genre der späten 1980er und frühen
1990er Jahren erinnert. Die Spielfigur vor dem Sterben zu bewahren ist in
diesem Spiel nicht die zielführende Strategie, wie so oft üblich. In diesem
Spiel werden die nicht mehr spielbaren Spielfiguren zu wichtigen Helfern, um
die einzelnen Level zu durchlaufen. Erwartungshaltungen und Spielstrategien
werden durch Veränderungen der Spielmechanismen und Einblendungen
tiefgründiger Gedanken gebrochen. Die Kohärenz von Idee, Umsetzung und
Performance überzeugte die Jury, dieses innovative und reflektierte Spiel
zum Gewinner der Kategorie Game Art des AppArtAward 2015 zu küren.”

https://youtu.be/o1Fu8GOKGes

Mit dem Sonderpreis Sound Art in Höhe von 10.000 € wird in diesem Jahr
Chris Carlson für die iOS-Applikation Borderlands Granular (2015)
ausgezeichnet. Borderlands Granular ist ein futuristisches Musikinstrument,
um Klänge mittels der sogenannten Granularsynthese zu erforschen, fassbar
zu machen und zu transformieren. Bei dieser Technik werden kleine Klangfragmente,
die sogenannten Grains, übereinandergelegt, um komplexe und
sich ständig weiterentwickelnde Timbres und Texturen zu erzeugen. Die
Software ermöglicht eine flexible Improvisation in Echtzeit und ist eigens
dazu angelegt, die Interaktion mit Klangmaterial zu unterstützen. Die User
werden hier als KlangorganisatorInnen betrachtet, die gleichzeitig in die Rolle
von KuratorInnen, PerformerInnen und ZuhörerInnen schlüpfen. Über Buttons
und Regler werden besonders die Interaktion durch Gesten und das
visuelle Feedback hervorgehoben, um die AnwenderInnen zu einer skulpturalen
und räumlichen Herangehensweise zu animieren. Gruppen pulsierender
Grains werden erzeugt und per Drag-and-drop in einer Landschaft aus größenveränderbaren
Audiodateien verteilt, um die Wellenformen unter den
eigenen Fingerspitzen dynamisch und polyphon zu samplen. Der eingebaute
Beschleunigungsmesser des iPads kann darüber hinaus verwendet werden,
um Klänge mithilfe der Schwerkraft zu formen.
Die Kunstanwendung wird vom ZKM mit einem Preis in Höhe von
10.000 € ausgezeichnet.
Jury Statement: „Borderlands Granular ist eine umfassende Plattform zur
Bearbeitung von Klang und Ton im App-Format. Sie zeichnet sich neben
ihrem wohldurchdachten und sehr gut umgesetzten Design vor allem dadurch
aus, dass dem User die Möglichkeit geboten wird, eigene Sounds zu
importieren, und in diesen unterschiedliche Fragmente individuell in Echt-Zeit
zu modulieren. Modulationen können einerseits über eine Vielzahl einstellbarer
Parameter oder durch das Bewegen des mobilen Endgeräts selbst,
vorgenommen werden. Selbstgeformte Sounds und Konfiguration können
abgespeichert und wieder exportiert werden. Der User bekommt mit dieser
App ein Werkzeug in die Hand, das als Instrument, Editor oder experimentelles
Abspielgerät genutzt werden kann.“
https://vimeo.com/49586854
Seit 2011 vergibt das ZKM mit Partnern aus Wirtschaft und Wissenschaft
den weltweit ersten AppArtAward. Prämiert werden die besten
Kunstwerke im App-Format, die sich als avancierte künstlerische
Softwarelösungen auszeichnen. Mit den Sonderpreis-Kategorien – in
diesem Jahr „Crowd Art“, „Game Art“ und „Sound Art“ orientiert
sich der AppArtAward an aktuellen Entwicklungen innerhalb der
Neuen Medien.
//// ANNEX
EDMT
Fader lebt und arbeitet in Los Angeles. Der Multimediakünstler arbeitet in
verschieden Disziplinen. Von Video-Mapping und generativer Animation über
Musikvideos und Bühnenbilder bis hin zu Kunstinstallationen: Seine Werke
haben rund um die Welt ein breites Publikum gefunden. Er ist Absolvent des
Studiengangs Animation am Art Center im kalifornischen Pasadena und hat
sich im Anschluss als Autodidakt das nötige Wissen erworben, um Programmcodes
für seine Audio/Video-Performances selbst schreiben zu können.
Mandy Mozart ist ein in Berlin beheimatetes, technisches Wunderkind.
Bekannt wurde Mandy Mozart insbesondere wegen seiner in Zusammenarbeit
mit dem New-Age-Techno-Orchester Cindy Sizer, mit dem er bei der
Fusion, einem Festival für elektronische Musik, seine improvisierten Kompositionen
aufführte. Auch wegen seiner Cembalokompositionen für A+V (mit
Kapellmeister Fader), als erster Acid-House-Boyband-Ministerpräsident der
Welt sowie mit der Band Loucy Louder konnte er bereits Aufmerksamkeit auf
sich ziehen. Seit 2006 ist er Mitglied des Open-Source-Labels Shalom Salon,
das er mitbegründet hat.
Radwende
Michael Volkmer, geb. 1965, ist Inhaber und Geschäftsführer von Scholz &
Volkmer. Nach seiner Ausbildung zum Fotografen studierte er an der FH
Wiesbaden Kommunikationsdesign. 1994 gründete er in Wiesbaden die
Kreativagentur für digitale Markenführung, die heute zu einer der größten,
inhabergeführten Agenturen im digitalen Markt zählt. Neben den Bereichen
Kundenberatung und Unternehmenskultur verantwortet er die strategische
Weiterentwicklung der Agentur. Dabei wird dem Thema „nachhaltiges Leben
und Arbeiten“ besondere Aufmerksamkeit geschenkt.
Sometimes You Die
Philipp Stollenmayer, geboren 1991, lebt und arbeitet in Riedstadt,
Deutschland. Seit 2011 studiert er an der Hochschule Mannheim im Studiengang
Communication Design.
Borderlands Granular
Chris Carlson, geboren 1983, lebt in Portland, USA. Er absolvierte seinen
Master am Center for Computer Research in Music and Acoustics der Stanford
University sowie einen Bachelor of Science in Physik an der James Madison
University. Er entwirft und schafft expressive Interfaces, die Menschen
in die Lage versetzen, Klang, Licht und Raum zu erforschen und zu transformieren.
Carlsons Werke schöpfen aus einem reichen Erfahrungsschatz in
den Bereichen Audio Computing und Physical Computing. Sie zielen darauf
ab, andere zu eigenen Schöpfungen zu inspirieren.