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Technisch aufwendig, gestalterisch durchdacht und schlicht: preisgekrönter Entwurf der Uhr „L’Obscurité“ von Anika Böhringer, Adrian Nongrum und Dominik Zeschke.
Die Sieger mit dem Auslober: junge Design-Studenten und Geschäftsführer Alfred Glosse. Ketterl
13.07.2017

Preisverleihung des Uhren-Design-Wettbewerbs „Ein Stück Zeit“ an der Hochschule

Es stand nicht im Mittelpunkt, aber es war ein wichtiger Aspekt, auch wenn sich das Hauptaugenmerk bei der Preisverleihung in der Hochschule auf ein frisches, kreatives Design für Uhren richtete: Im Goldstadt-Jubiläumsjahr ist es gelungen, eine Vernetzung zwischen Industrie und Hochschule sicherzustellen und damit den jahrelangen Zustand einer „gewissen Zurückhaltung“, wie Jubiläumskoordinator Gerhard Baral leicht ironisch anmerkte, zu beenden. Zu verdanken ist dies in erster Linie Alfred Glosse, Geschäftsführer der Ernst Mitschele Uhren und Schmuck GmbH, der als Vorsitzender des Messe-Fördervereins den Uhren-Design-Wettbewerb „Ein Stück Zeit“ initiiert hatte. Von den Ergebnissen, die gestern in der Fakultät für Gestaltung präsentiert und ausgezeichnet wurden, zeigte er sich „überrascht und erfreut“.

Bildergalerie: Preisverleihung des Uhren-Design-Wettbewerbs „Ein Stück Zeit“ an der Hochschule

Hochschulintern wurde zu den Beiträgen ein interdisziplinärer Ansatz entwickelt, indem man die Studiengänge Industrial Design, Schmuck und Visuelle Kommunikation einband. Dieser interdisziplinäre Aspekt, der die Möglichkeiten von unterschiedlichen Perspektiven in der Bearbeitung der Aufgabe unterstrich, wurde auch beim Betreuungsteam eingehalten. Professor Cosima Striepe brachte unter anderem die Modalitäten verschiedener Fertigungen ein, Professor Michael Throm gab Input zur Typografie, und Professor Andi Gut war im Bereich Materialwissen federführend. Es sei spannend gewesen, die „Dinge einmal anders zu sehen und zu machen“, stellte Throm fest und verweigerte den Arbeiten das Attribut „Luxus“: „Luxus war, einmal völlig frei und anders zu agieren – nicht das Preissegment“.

Den ersten Preis erhielten Anika Böhringer, Aidan Nongrum und Dominik Zeschke für ihren Entwurf „L’Obscurité‘“ mit streng minimiertem Ziffernblatt, das zum Rand hin leicht radial verformt ist und durch eine subtile Licht-/Schatten-Gestaltung sowie eine besondere Armband-Montagesystematik beeindruckt. Relativ schlicht und alltagstauglich, aber etwas Besonderes – das sei ihr Ausgangspunkt gewesen, stellte das Siegerteam fest, das großen Wert auch auf manufakturelle Bearbeitung wie gedrehte Oberflächen und eingefräste Cuts legt.

Den zweiten Preis konnten Carinna Bahr, Charvi Mantri und Chris Allan Pauls in Empfang nehmen. Ihr Entwurf „CCC“ arbeitet mit einer analogen Uhr-Lesart und einer besonderen Zeigerform, die einen hohen grafischen Wiedererkennungswert aufweist. Verschieden Oberflächengestaltungen und Armband-Befestigungen erlauben bei gleichbleibenden Teilen eine optische Vielfalt.

Eine markante Männeruhr mit eckiger Rahmung präsentierten Angus Yin, Alexander Ott und Indrayudh Sengpupta mit ihrem Entwurf „Ecke“, der mit dem dritten Preis ausgezeichnet wurde. Der ungewöhnlichste Entwurf mit zwei analogen Zifferblättern für Stunden und Minuten liegt auf Platz vier. Lorenz Roland und Vivien Staff wagen sich nicht nur weit weg von gängigen Sehgewohnheiten, sondern setzten auch auf die Verbindung von sehr unterschiedlichen Materialien.

So viel Kreativität will Alfred Glosse auch im kommenden Jahr nutzen – er stellte eine weitere Ausschreibung und damit eine Vertiefung der Zusammenarbeit Industrie und Hochschule in Aussicht und rief seine Kollegen dazu auf, „diese Dinge zusammen mit den Studenten zu realisieren. Die Saat sollte Früchte tragen“.