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Stets das Whiskey-Glas in der Hand: Samuel Schürmann präsentiert seine Version der Frank-Sinatra-Evergreens im Podium. Foto: Haymann
Stets das Whiskey-Glas in der Hand: Samuel Schürmann präsentiert seine Version der Frank-Sinatra-Evergreens im Podium. Foto: Haymann
Ava (Jula Zangger) geht baden, und Frank (Samuel Schürmann) sieht zu.  Foto: Haymann
Ava (Jula Zangger) geht baden, und Frank (Samuel Schürmann) sieht zu. Foto: Haymann
01.01.2016

Premiere von „My Way – The true story of Frank Sinatra and Ava Gardner“.

Whiskey und Schampus, heiße Küsse und brutale Schläge, Macho-Mann und Sexbombe, „The Voice“ und „The World’s Most Beautiful Animal“ – eine hochexplosive Mischung, die ein Happy End nicht vorsieht. In seinem Stück „My Way – The true story of Frank Sinatra and Ava Gardner“ beschreibt der österreichische Schauspieler und Autor Andy Hallwaxx das kurze, aber heftige Aufeinandertreffen zweier Hollywood-Größen, deren skandalumwitterte Ehe gerade mal drei Jahre halten sollte. Jula Zangger und Samuel Schürmann bringen diese Zeit in der Regie von Markus Löchner auf die Podium-Bühne des Theaters Pforzheim.

Das Stück ist eine ziemlich laute, ziemlich vulgäre, ziemlich überdrehte Aneinanderreihung von Slapstick-Nummern, die immer wieder durch die großen Hits Sinatras unterbrochen wird. Keine Frage, Schürmann kann singen, aber nicht wirklich swingen. Und der groß gewachsene, eher schlaksige Darsteller in Hochwasserhosen hat mit der amerikanischen Show-Ikone nur wenig gemein. Muss er auch nicht, denn er versucht, einen eigenen Zugang zu dieser Rolle zu finden. Aber leider bleibt dabei der Charme, den Ol‘ Blue Eyes versprühte, ziemlich schnell auf der Strecke.

Auch der Schauspielerin Jula Zangger, die gelegentlich um ihre Intonation ringt, nimmt man den Männer verschlingenden Vamp nur bedingt ab. Dazu lässt die Regie sie zu viel kreischen und quietschen, dafür wird zuviel im schlichten Bühnenbild von Dirk Steffen Göpfert herumgeturnt, zu häufig die Tür geknallt. Und angesichts der oft eher dünnen Dialoge zieht sich manche Szene wie Kaugummi.

Auch die Zuschauer dürfen ihren Teil zum Stück beitragen: Da segelt der Brautstrauß über die Köpfe hinweg, dort räkelt sich Jula Zangger auf dem Schoß eines älteren Herrn, da wird eine Zuschauerin in der ersten Reihe kontinuierlich ins Spiel einbezogen. Und da geht die Geschichte dieses Paars zwischen Liebe und Hass, zwischen animalischer Anziehungskraft und leisen, traurigen Tönen in all dem Aktionismus, dem Busengegrapsche, Gefluche und Badewannengehupse unter.

Wären da nicht die großen Hits: hinreißende Evergreens und Balladen, wie „Night and Day“, „Mack the Knife“, „I’ve Got You Under My Skin“, „New York, New York“, „I’ve Got a Crush on You“, die von der siebenköpfigen Band unter Leitung von Frank Rosenberger mit viel Verve – und gelegentlichen Texteinlagen – interpretiert werden. Und wenn Schürmann zum Schluss dann das Titellied anstimmt, dann ist das Premierenpublikum nicht mehr zu halten: Mit viel Applaus honoriert es die kraftvolle Version von „My Way“, die allerdings nicht in der Lage ist, für einen Gänsehautmoment zu sorgen.