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04.12.2015

Pur begeistert Fans bei der Tour-Generalprobe mit neuen und alten Liedern

Sinsheim. Kraft tanken für eine anstrengende Tour – mit der ansteckenden Begeisterung der Fans – dies kann die Band Pur am Donnerstagabend bei der Generalprobe für ihre Tournee so richtig genießen. Über 2000 Anhänger in der Messe Sinsheim, darunter viele Frauen zwischen 40 und 60 Jahren, hören in einer zweistündigen, fast perfekten Bühnenshow neue und alte Lieder der Gruppe rund um Frontmann Hartmut Engler (54).

Für Pur hat diese Tour-Generalprobe Tradition, so startete die Band beispielsweise im September 1995 mit gleich zwei Konzerten in der Pforzheimer St.Maur-Halle ihre damalige Tournee.

Die größte und ausgelassenste Stimmung kommt in der Sinsheimer Messehalle während des Konzertes der nach Engler „in die Jahre gekommenen Schülerband“ immer dann auf, wenn bekannte Songs wie „Freunde“, „Komm mit mir ins Abenteuerland“ oder „Wo sind all die Indianer hin“ gespielt werden. Die textsicheren Fans übernehmen dann oft auch mal komplett das musikalische Kommando. Die Lieder aus dem gerade veröffentlichten Album „Achtung“ kommen ebenfalls gut an, auch wenn diese noch nicht von allen mitgesungen werden können. Diese beschäftigen sich meist im typischen Pur-Sound neben Sozialkritik und dem Alltagsleben mit autobiografischen Einsprengseln auch mit der politischen Lage.

„Unsere Demokratie, unsere Menschlichkeit, unsere Freiheit hat ihren Preis, sie ist angreifbar. Aber vergesst nicht. Wir sind stark“, sagt Engler als Antwort auf die „Terrorangst“, die ein „Nährboden für braunes Gedankengut“ sei. Bei dem Konzert wird auch deshalb Respekt vor anderen Menschen angemahnt. „Schau hin, hör nicht weg!“ ist die Botschaft des Abends. Multimedial wird zudem an die Terroranschläge von Paris erinnert. Beeindruckend ist auch das spontan vorgetragene Lied „Mein Freund Rüdi“, bei dem ein seit langem der Gruppe verbundener behinderter junger Mann auf der Bühne mitsingt.

Hartmut Engler hatte im September geäußert, dass er auf einen schönen Abschied aus dem Show-Geschäft hoffe. „Ich würde mich gerne in aller Würde zurückziehen – und nicht wenn der Rücken, die Hüfte und das Knie das diktieren.“ An Ruhestand denkt er aber noch lange nicht. Er will noch mindestens sieben Jahre Musik machen. Jessica Schattner