760_0900_94347_Ausstellung_WeitSicht_201902.jpg
Harmonie von Farben und Formen: Jochen Schambeck (rechts) und Dieter Kränzlein zeigen ihre Kunst in Remchingen. Foto: Meyer

Pure Freude in voller Farbenpracht: Ausstellung „WeitSicht“ in der VR Bank Enz plus

Remchingen. Farbe ist Freude. Farbe ist nicht nur Farbton, sondern Material. Farbe kann Schweres leicht und Leichtes schwer wirken lassen. Falls es je eines Beweises dafür bedurfte: Die Ausstellung „WeitSicht“ mit Skulpturen von Dieter Kränzlein und Bildern von Jochen Schambeck in der VR Bank Enz plus in Remchingen tritt ihn überzeugend an – und lockt dem Betrachter ein Lächeln auf die Lippen.

760_0008_8820165_Ausstellung_WeitSicht_201914
Bildergalerie

Ausstellung "WeitSicht" in der VR Bank plus in Remchingen

Denn: Der Schwabe und der Badener, der Bildhauer und der Maler schwelgen nur so in Farbe. Häufig sind es Primärtöne, die ihre Werke bestimmen. Kränzlein, geboren 1962 und in Bietigheim-Bissingen lebend, arbeitet in Stein. Norwegischer Marmor oder Würzburger Muschelkalk. Und er schafft seine geometrischen Skulpturen direkt aus dem Block – ohne Modell oder Vorzeichnung, lässt sich von den Einschlüssen und den Gegebenheiten des Materials leiten. Die vielfältige Oberflächenstruktur entsteht dann durch die Bearbeitung mit der Flex. Zum Schluss kommt die Farbe dazu, deren Intensität von den verwendeten Pigmenten bestimmt wird – jedoch nie deckend, sondern immer mit dem Steinmaterial spielend. Und dann bekommen die Skulpturen, die selbst in der kleinen Version gut und gerne 20 Kilo wiegen, häufig eine Leichtigkeit, die beim Betrachter den Reflex auslöst, sie mal kurz anheben zu wollen. Oder sie scheinen wie ein blaues Segel im Wind zu flattern.

Ganz ähnlich verhält es sich mit den Gemälden des Karlsruhers Jochen Schambeck (Jahrgang 1964): „Ich kann es nicht verhindern, dass meine abstrakten Arbeiten Assoziationen wecken“, sagt er. Obwohl sie keinesfalls intendiert sind. Denn Schambeck ist ein genialer Farbmischer: Trägt seine Ölfarben direkt mit den Händen aus den Fünf-Liter-Eimern auf den Bildgrund auf, lässt ganze Farbhände voll auf die Fläche fallen, um eine irisierende Wirkung zu entfalten. Oder mischt sich Farbstränge in seiner Hand, um die dann über die Fläche zu ziehen. Faszinierende Schliereffekte entstehen, die gerne mal an Blüten oder Pflanzen erinnern. Ganz intuitiv geht Schambeck dabei vor. Und: „Nur schön sollen die Bilder nicht sein, etwas Zerstörerisches darf ihnen durchaus anhaften.“ Spannend ist bei den Werken auf Leinwand oder Papier die feine Balance zwischen Leere und Fülle. Letztere hat er in den jüngsten Arbeiten jedoch zurückgenommen. Wiesen seine früheren Großformate noch manchmal zehn bis 20 Zentimeter dicke Farbschichten auf – „die mussten dann auch schon mal zwei Jahre trocknen“ – so sind seine Werke nun fragiler, leichter.

Und gehen eine Symbiose mit den Skulpturen Kränzleins ein, die in den schönen, lichtdurchfluteten Ausstellungsräumen der Bank in Remchingen besonders gut zur Geltung kommt. Seit fünf Jahren kuratiert Regina Fischer hier jeweils im Frühling eine Ausstellung. Und angekaufte Arbeiten der Künstler vergangener Jahre sind nun eindrucksvoller Beweis für das Engagement der VR Bank in Sachen Kultur.

Die Ausstellung in Remchingen kann am Samstag, 17. Februar, ab 17 Uhr, nach vorheriger Anmeldung (Telefon 0 72 32/3 60-11 61) besichtigt werden.