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Ohne Geige ist Musikdirektor Marcel Baluta nur selten anzutreffen. Foto: Meyer
Ohne Geige ist Musikdirektor Marcel Baluta nur selten anzutreffen. Foto: Meyer
20.12.2017

Pure Leidenschaft: Marcel Baluta leitet seit 35 Jahren das Kurorchester in Bad Wildbad

Bad Wildbad. Der Mann ist rekordverdächtig – und hat schon mal leise beim Guinnessbuch angeklopft: Marcel Baluta ist seit 35 Jahren Leiter des Bad Wildbader Kurorchesters.

„Ich kenne in Deutschland keinen Kollegen, der so lange im Amt ist“, sagt der sympathische Musikdirektor. Und wenn er die Zahl seiner Konzerte in der Kurstadt zusammenzählt, dann ergibt sich eine astronomische Summe: Rund 60 Auftritte hat er im Monat, also etwa 720 im Jahr. Macht in 35 Jahren: 25 200.

Wird man da nicht manchmal müde? Ganz im Gegenteil: „Ich fühle mich 20 Jahre jünger, wenn ich Geige spiele“, schmunzelt der 63-Jährige. Und so wundert es nicht, dass er keinen Urlaub von seinem Instrument kennt. Auch in den Ferien ist die Geige immer dabei. „Ich habe einfach Sehnsucht danach zu spielen“, sagt er, „das ist meine Passion.“

Und das seit der Jugendzeit. Baluta studiert am Konservatorium in Bukarest, spielt im Radiosinfonieorchester seiner Heimatstadt, wird dort schnell zweiter Konzertmeister. Während einer Tournee des Orchesters liest er eine Stellenanzeige: Bad Wildbad sucht einen Kapellmeister. Und Baluta bewirbt sich. Wird zum Probespiel eingeladen. „Das entpuppte sich als Live-Konzert“, erinnert sich der Geigen-Virtuose. Er dirigiert und spielt Ausschnitte aus der „Paganini“-Operette von Franz Lehár. Zum Schluss dann Sarasates halsbrecherische „Zigeunerweisen“ – und hat den Vertrag in der Tasche.

Ein Jahr später zieht auch seine Frau, die Cellistin und Sängerin Ewa Baluta, nach Bad Wildbad. Die beiden leisten Aufbauarbeit: In Spitzenzeiten spielen in den sieben Saisonmonaten 14 Musiker im Ensemble. „Und viele haben danach Stellen in bekannten Orchestern erhalten“, freut sich der Musikdirektor, der auch immer wieder junge Musiker aus seiner Heimat verpflichtet. Heute ist das Baluta-Ensemble überwiegend als Quartett zu hören.

Das Salz in der Suppe sind für den Mann mit dem ansteckenden Lachen allerdings seine Solo-Programme und die Sonderkonzerte, wie jetzt an Silvester, wo er eine große Schar an Kollegen dirigiert – unter anderem aus dem Südwestdeutschen Kammerorchester. Doch auch das tägliche musikalische Brot hat für Baluta nichts an Attraktivität eingebüßt. Das mag auch an der Vielseitigkeit seines Programms liegen: Von Musical bis Oper, vom Violinrecital bis zur Kammermusik reicht die Bandbreite – fast täglich.

Heiter und besinnlich werden die Festkonzerte mit dem Baluta-Ensemble an den Feiertagen.

Am Montag, 25. Dezember, 15.30 Uhr, steht das große Weihnachtskonzert „Oh du fröhliche“ im König-Karls-Bad auf dem Programm. Solist ist der junge Akkordeonist Philipp Haag aus Pforzheim, der am Trossinger Konservatorium klassisches Akkordeon und Dirigieren studiert hat. Kompositionen von Bach, Schubert, Mendelssohn Bartholdy und Tangos von Piazolla werden erklingen.

„Mozarts Zauberwelt“ heißt es am Sonntag, 31. Dezember, um 15 Uhr im Kurhaus: Die Sopranistin Cristina Bravo, Stipendiatin der Richard-Wagner-Stiftung, singt – gekleidet im Rokoko-Kostüm – Melodien aus Opern, unter anderem aus der „Zauberflöte“, „Don Giovanni“ und der „Entführung aus dem Serail“. Es spielt, wie auch an Neujahr, das auf 14 Musiker erweiterte Baluta-Ensemble.

Am Montag, 1. Januar, 15.30 Uhr, gibt es im Kurhaus das traditionelle Neujahrskonzert „Europäische Klänge“. Die beliebte Sopranistin Franziska Tiedkte, die am Theater Pforzheim engagiert ist, bezaubert mit Werken berühmter Komponisten, wie Puccini, Strauß, Lincke und Dvorak.