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Einmal pro Saison dirigiert der Pforzheimer GMD Markus Huber ein fremdes Orchester. Beim aktuellen Abo-Konzert ist es die Radiophilharmonie Saarbrücken, die zusammen mit Anny Hwang ein selten zu hörendes Werk spielt. Foto: keller
Einmal pro Saison dirigiert der Pforzheimer GMD Markus Huber ein fremdes Orchester. Beim aktuellen Abo-Konzert ist es die Radiophilharmonie Saarbrücken, die zusammen mit Anny Hwang ein selten zu hörendes Werk spielt. Foto: keller
15.03.2016

Radiophilharmonie Saarbrücken im CCP: Klatschen erlaubt

Pforzheim. Bis sich die frohe Osterbotschaft verbreitet, vergehen erst mal einige schwerfällige Takte. Nikolai Rimski-Korsakows „Russische Ostern“ beginnt mit müden, trägen und traurigen Holzbläsern. Das soll kompositorisch die Karfreitags-Lethargie wiedergeben. Für den Einstieg in dieses vierte Abo-Konzert am Theater Pforzheim erwies sich das lang hingezogene Erwachen des großen Klangkörpers aber als nicht ideal.

Zwischen Geigensolo hier und Cellosolo dort waren zwar die ausgestalteten Orchesterfarben schön zu hören. Doch der diesmal nur knapp zur Hälfte ausgelastete große Saal im CongressCentrum Pforzheim (CCP) ließ sich trotz triumphalem Schluss mit Glockenspiel und Tamtam nicht zu größerer Begeisterung erwecken. Das Pforzheimer Publikum ist ehrlich – und der Applaus nicht mehr als höflich. Was soll man auch sonst machen, wenn ein Stück vorüber ist?

Huber mit Gast-Orchester

Einmal pro Saison kann der Pforzheimer Generalmusikdirektor Markus Huber eines der Abo-Sinfoniekonzerte mit einem Gastorchester realisieren. Diesmal war die Deutsche Radiophilharmonie Saarbrücken-Kaiserslautern nach Pforzheim gekommen und das große Orchester brachte die aus Saarbrücken-Dudweiler stammende Pianistin Anny Hwang mit. Sie gab das selten gehörte Klavierkonzert des französischen Komponisten Francis Poulenc zum Besten. Wiegend bis schmachtend folgt das Stück dem musikalischen Prinzip: Nimm’s niemals schwer! Mit elastischen Händen gab Anny Hwang mitunter neckisch, energisch den Ton an. Lustig hopst dieses Stück zwischen den Stilen hin und her. Mal setzt das Klavier gravitätisch zum barocken Choral an, mal swingt es à la „Amerikaner in Paris“ chromatisch im kecken Rhythmus.

Das passte zu der quirligen jungen Künstlerin mit den tiefschwarzen Haaren und dem kadmiumroten Abendkleid. Schon mit drei Jahren erhielt sie ersten Klavierunterricht und konzertiert, seit sie 16 ist. Viele Preise hat sie gewonnen, tritt international mit renommierten Orchestern auf. Anny Hwang spielt prägnant und kräftig. Schade, dass der weit geöffnete Flügel trotzdem von der vollen Orchesterbesetzung oft übertönt wurde.

Ganz überraschend und plötzlich hört dieses Klavierkonzert auf. Und wieder gab es deswegen so eine merkwürdige Applaussituation: Das Stück ist vorbei, aber niemand will anfangen, zu klatschen. Beziehungsweise erst nach zehn Schrecksekunden. Umso kräftiger war der Beifall nach Anny Hwangs Zugabe, einer Toccata des österreichisch-ungarischen Komponisten Jeno Takács. Ihr harter und schneller Tastenanschlag ist klasse. Spätestens jetzt waren alle Zuhörer erwacht, gelöst – und endlich doch noch begeistert.

Bessere zweite Hälfte

Das Orchester lag nach der Konzertpause bei der siebten Sinfonie von Sergej Prokofjew traumhaft in den Ohren. Insbesondere das erhabene, mächtige Seitenthema im ersten Satz erreichte sinfonischen Tiefgang. Markus Huber machte seine Sache sehr gut. Vor allem im schnellen Finalsatz gab es gutes Timing und gute Laune. Gegen Schluss erklang abermals das versöhnliche Seitenthema. Da wurde es einem nach der insgesamt sehr präzise ausgestalteten Prokofjew-Interpretation regelrecht warm ums Herz. Dafür gab es tosenden Applaus. Ein dankbares Raunen ging schließlich durch den Saal, als mit Tschaikowskys Blumenwalzer die Orchester-Zugabe angekündigt wurde. Pforzheim hat eben ehrliche Zuhörer. Hoffentlich kommen beim nächsten Mal mehr.