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Schwierige Ausgangslage: Konzertsaal der „Elphi“ mit verschobenen Ebenen, schrägen und verwinkelten Wänden. Foto: Charisius
Schwierige Ausgangslage: Konzertsaal der „Elphi“ mit verschobenen Ebenen, schrägen und verwinkelten Wänden. Foto: Charisius
13.01.2017

Rätsel um Akustik der Elbphilharmonie ist gelöst

Hamburg. Hat sich der Aufwand gelohnt, ist das alles die Hunderte von Millionen wert gewesen, waren Skandal und Streit am Ende doch nicht vergebens? Als die letzten Akkorde von Beethovens „Ode an die Freude“ die Menschen in der Elbphilharmonie aus ihren Sitzen rissen, schien die Antwort deutlich.

Wenn der stürmische Applaus ein Maßstab sein kann, dann waren sich wohl die meisten der 2150 Zuhörer am Mittwochabend einig: Hier ist doch noch ein weltweit einmaliger Konzertsaal entstanden.

Und auch die Frage, die viele in den Wochen vor der Eröffnung umtrieb – wie wird der Saal klingen, wird sich die Musik zwischen dem Beton, Glas und Holz entfalten können? – hatte sich erledigt. Mehr als drei Stunden lang loteten das NDR Elbphilharmonie Orchester und die Solisten die Möglichkeiten der „Elphi“ aus. Mit Kompositionen von der Renaissance bis ins 21. Jahrhundert lieferte Chefdirigent Thomas Hengelbrock so etwas wie eine akustische Leistungsschau des Saales ab. Wenn die Elbphilharmoniker aufdrehen, dann rast der Sound der Blechbläser nur so durch den Saal, da wummern die Kontrabässe und die Geigen schrauben sich bis in die letzten Reihen hinauf, hoch oben, fast 30 Meter über dem Podium. An diese Unmittelbarkeit des Klanges wird sich das Orchester wohl noch gewöhnen müssen.

Dabei hatte es im Vorfeld erhebliche Zweifel gegeben, ob die Akustik des Saales dem Meisterwerk der Schweizer Architekten Herzog & de Meuron ebenbürtig sein würde. Denn ein sensationeller Bau garantiert noch nicht einen Spitzenklang. Zu verwinkelt ist die Elbphilharmonie, als dass die Wellen pur und ungestört die Ohren der Zuhörer erreichen können. Diese als „Weinberg“ entworfene Halle mit ihren verschobenen Ebenen, den schrägen und verwinkelten Wänden und dem Orchesterpodium in der Mitte bereitete den Akustikern Kopfzerbrechen.

10 000 Gipspaneele

Damit sich der Schall nicht ungesteuert über den Raum verteilt, setzten die Fachleute unter der Leitung des Akustikers Yasuhisa Toyota an die 10 000 Gipspaneele an die Wände, die den Klang führen sollen. Der Japaner hat in Hamburg einen Klangraum geschaffen, der äußerst sensibel reagiert – direkt, ohne Umschweife erreichen die Schwingungen das Ohr der Hörer. Da erschienen das „Parsifal“-Vorspiel und zum Schluss der letzte Satz von Beethovens Neunter wie optimistische Ausblicke in die Zukunft des Glaspalastes an der Elbe. „Diesen Kuss der ganzen Welt“, ruft der Chor am Ende der „Ode an die Freude“. Die Botschaft klang an diesem kalten Abend wie eine Verheißung.