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Cornelie Holzach und Gert Hager freuen sich über den Armreif – eine Spende von Ursula Förster (von links). Foto: Seibel
Cornelie Holzach und Gert Hager freuen sich über den Armreif – eine Spende von Ursula Förster (von links). Foto: Seibel
28.12.2016

Rätselraten um silbernen Armreif aus der Römerzeit

Pforzheim. Der Neuzugang in der historischen Sammlung des Schmuckmuseums wirft mehr Fragen auf, als er beantwortet. Wo genau der silberne Armreif hergestellt wurde, lässt sich nicht mehr sagen. Bloß der grobe Kulturraum steht fest. Es ist das Römische Reich. Die Zeit? Auch sie muss vage bleiben; irgendwann im 2. oder 3. Jahrhundert nach Christus wird der Reif wohl gestaltet worden sein. Und was zeigt er? Wahrscheinlich Bacchus, den römischen Weingott, dessen Darstellung sich da so edel aus dem Silber erhebt: Die Weinranken und Reben auf dem Kopf sprechen dafür. Sicher aber kann man nicht sein – außer bei manchen Informationen, die eindeutig feststehen.

Es ist ein großes Stück Schmuckkunst, das sich jetzt im Besitz des Schmuckmuseums befindet. Es passt perfekt in die Sammlung – und ist nun in Pforzheim, weil sich mit Ursula Förster eine großzügige Sponsorin gefunden hat. Die Stadt selbst hätte den Kauf nicht gestemmt. „Wir hätten uns das Stück nicht leisten können“, sagt Oberbürgermeister Gert Hager bei der offiziellen Übergabe des Armreifs.

Was hat Förster bewogen, zu spenden? Sie ist zusammen mit ihrem Ehemann Gerhard Förster – dem Seniorchef des Dental-Unternehmens Forestadent – keine unbekannte Wohltäterin, sondern dem Schmuckmuseum schon seit Jahren verbunden. „Ich will andere Damen dazu ermuntern, das Museum mit einem Ankauf zu unterstützen“, sagt Förster.

Bei einem Besuch habe Cornelie Holzach, die Leiterin des Museums, den Försters eine Abbildung des Stücks gezeigt und erklärt, wie gut das Stück nach Pforzheim passe. „Ich war sofort begeistert“, sagt Förster. Für 6500 Euro habe sie dann den Reif beim Basler Händler Cahn erworben, einem Spezialisten für die Kunst der Antike. Seit heute ist das Stück im Schmuckmuseum zu sehen.

Doch warum passt der Reif so gut nach Pforzheim? „Wir wollen das sammeln, was wir noch nicht haben“, sagt Holzach. Obwohl das Museum eine stattliche Sammlung an Schmuck der Antike besitze, seien doch wenig silberne Stücke darunter. „Silber ist im antiken Schmuck eher selten anzutreffen“, sagt Holzach. Es verwittere schneller und sei komplexer zu gewinnen.

Der Armreif habe wohl einer Römerin gehört, er sei wahrscheinlich am Oberarm getragen worden: „wahrscheinlich bei festlichen Anlässen“, vermutet Holzach – wegen der Darstellung der Weinranken. Auch hier bleibt noch Platz für Spekulationen. Nur eines steht fest: Im Schmuckmuseum ist der römische Armreif gut aufgehoben.