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Mit Vorliebe wählt Ralf Schmtiz seine Opfer aus dem Publikum – und macht seine Späße mit ihnen.  Foto: Roller
Mit Vorliebe wählt Ralf Schmtiz seine Opfer aus dem Publikum – und macht seine Späße mit ihnen. Foto: Roller
09.05.2016

Ralf Schmitz punktet im CCP mit Spontaneität und Kreativität

Zurückhaltend, gar leise? Das sind Fremdworte für Ralf Schmitz. Bei ihm geht es laut zu, manchmal rasant – und immer spontan. Im Pforzheimer CongressCentrum (CCP) hält er sein Publikum mit provokanten Thesen, schrägen Improvisationen und derben Witzen ganz schön auf Trab. Zunächst müssen seine Fans im prall gefüllten Saal aber noch ohne ihren Liebling auskommen: Wegen einer organisatorischen Panne des Veranstalters kann die Vorstellung erst zehn Minuten später beginnen. Aber dann nimmt der Abend richtig Fahrt auf.

Das Publikum sitzt bei Schmitz nicht einfach nur da. Es ist von Anfang an mittendrin statt nur dabei – und nie wirklich vor Schmitz und seinen Späßen sicher. Das muss auch Zuschauer Markus feststellen, bei dem Schmitz einen sonderbaren Geruch festgestellt haben will. „Hast Du Eierlikör getrunken?“, fragt er. Natürlich verneint Markus – allerdings in breitestem Schwäbisch. Für den Rheinländer offensichtlich Grund genug, sich minutenlang über den lustig klingenden Dialekt zu beömmeln.

Überhaupt bringt Schmitz sein Publikum mit Vorliebe in Verlegenheit. Er setzt sich dreist auf den Schoß von fremden Frauen, hält seinen Zuschauern das Mikrofon ins Gesicht, schreit sie an – oder bespritzt sie mit Wasser, Rücksicht und Zurückhaltung? Kennt Schmitz nicht. „Mach Dir keine Sorgen, so schlimm wird es nicht“, versucht er, die schüchterne Lea (Name geändert) zu beruhigen – „es wird noch viel schlimmer“. Mit ihr spielt er eine Szene im Blumenladen und treibt die junge Frau in der Rolle eines Betrunkenen, eines Lüstlings und eines hasserfüllten Zeitgenossen an den Rand des Wahnsinns. Er umarmt sie penetrant, nimmt ihren Kopf zwischen seine Hände, schläft an ihrer Schulter ein und greift ihr sogar kurz gefährlich nah ans Gesäß – da kann man sich schon ein bisschen fremdschämen. Aber nur so lange, bis er verschmitzt lächelt und sich charmant entschuldigt – dann ist alles wieder gut.

Unglaubliche Grimassen

Er schneidet unglaubliche Grimassen, springt auf der Bühne umher – oder streckt alle Viere weit von sich Bei ihm wirkt nichts abgespult, alles ist spontan und entsteht aus der Situation heraus. Er feuert seine Pointen so flink ab, dass man sie nicht kommen sieht.

Kein Thema gibt es, zu dem ihm nichts einfällt. Beispiel Hausbau. Ohne Not kann er sich über die Missgeschicke auf der Baustelle echauffieren; sich über Menschen ärgern, die mit dem Rücken sprechen. Oder von Mauern erzählen, die auf der falschen Etage stehen. Er präsentiert kuriose Wohnungsannoncen und ereifert sich über die Situation im Baumarkt, wenn man dringend einen Verkäufer sucht – und doch keinen finden kann. Auch wenn Schmitz manchmal etwas über das Ziel hinausschießt, haben die Zuschauer – insgesamt rund zweieinhalb Stunden lang – immer das Gefühl, dass er nur für sie da ist. Das Publikum dankt mit tosendem Applaus, den Schmitz wiederum mit einer extra lustigen Zugabe belohnt. Und dann nimmt er sich noch lange Zeit, um sich im Foyer mit seinen Fans zu unterhalten.