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Seltene Werke spielen Holger Frey (Violine) und Thomas Rapp (Orgel).  henkel
Seltene Werke spielen Holger Frey (Violine) und Thomas Rapp (Orgel). henkel
22.02.2016

Raritäten von Max Reger: Orgelvesper in der Winterkirche

Maulbronn. Schwerpunktmäßig präsentierte die 49. Orgelvesper in der Winterkirche des Maulbronner Klosters Kompositionen von Max Reger, die eher rar sind im Repertoire der Konzert-Aufführungen. Zumal wenn es sich um Werke und Bearbeitungen für Violine und Orgel handelt, eine Duo-Formation, die in Maulbronn von Holger Frey, der sich als „Violon fou!“ (so der Titel einer seiner CDs) einen Namen gemacht hat, sowie dem Geislinger Bezirkskantor und Organisten Thomas Rapp vertreten wurde.

Das einleitend gebotene Stück nach Regers Orgeltrios op.47 eröffnete mit einer sehr tiefen Violinstimme und Leier-artiger Orgelbegleitung im Canon, setzte sich mit fröhlich tänzerischem Laufwerk in einer Gigue fort und mündete in liedhafte Melodiebögen der abschließenden Canzonetta ein. Eine Reger-Romanze in G-Dur, das Largo aus dessen „Suite im alten Stil“ op.93 und eine Aria (als Konzert-Zugabe) zeigten den schwelgerisch-spätromantischen Reger.

Als Solo-Organist mit klar konturiertem, technisch exaktem Spiel stellte sich Thomas Rapp in Regers Choralvorspielen aus op. 67 vor. Das Stück zu „Ach bleib mit deiner Gnade“ glich einem leisen, verinnerlichten Gebet. „Es ist das Heil uns kommen her“ jubelte temperamentvoll. Das Vorspiel zu „Lobe den Herrn, den mächtigen König“ formierte sich als hymnischer Lobgesang.

Mit zwei meisterlich interpretierten Violin-Etüden von Komponisten, die als Zeitgenossen Regers gelten können, erfreute Thomas Rapp: Dunkel, melancholisch und eindringlich die Legato-Schleifen des (jüdischen Totengebets) „Kaddisch“ von Maurice Ravel, farbintensiv brennend die Wiedergabe von George Enescus „Prélude“.

Natürlich wurzelt auch Reger im Werk des Übervaters Johann Sebastian Bach, dessen Orgel-Trio- sonate e-Moll (BWV 528) das abwechslungsreiche und erbauliche Konzert abrundete.