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Formale und farbliche Materialschlacht mit Alltagsgegenständen: Sebastian Kuhns skulpturale Arbeit.Foto: Ketterl
Formale und farbliche Materialschlacht mit Alltagsgegenständen: Sebastian Kuhns skulpturale Arbeit.Foto: Ketterl
11.05.2018

Raumfüllende Installation und Wandobjekte von Sebastian Kuhn im Reuchlinhaus

Pforzheim. Ein Spiel mit dem Wahrnehmen und räumlichen Erfahren treibt Sebastian Kuhn im Reuchlinhaus – auf visueller, körperlicher und der Erinnerungsebene. Der Bildhauer aus Nürnberg hat sich von den Decken- und Boden-Rastern des Gebäudes, die der Architekt Manfred Lehmbruck entworfen hat, inspirieren lassen und eine raumgreifende, skulpturale Installation geschaffen. Der Titel: „Leave Alone The Empty Spaces“. Frei übersetzt: Lasst die Freiräume in Ruhe!

Die Ausstellung wird am Sonntag um 12 Uhr eröffnet. Sie ist ein Parcours aus Alltagsgegenständen, die jeweils ihre eigene Geschichte haben: Blech- und Leuchtkästen, Kupfergitter und Stäbe verbreiten Industriehallen-Flair. Mit ihnen verbinden sich Erfahrungen, Handlungen, auch Gefühle. Seit Dienstag arbeitet der vielfach ausgezeichnete Künstler im Reuchlinhaus und testet an sich selbst, wie die jeweiligen Setzungen der flexiblen Elemente wirken. Dabei beschäftigt er sich auch mit Aspekten von (Miniatur-)Städten. Kuhn interpretiert die Freiräume und fragt sich: Was passiert zum Beispiel mit dem Zwischenraum, wenn er etwas davorstellt?

„Die jeweiligen Teile, die einmal eine Funktion hatten, habe ich auf die Materialebene runtergebrochen“, sagt Kuhn, Jahrgang 1977. Wie ein Maler entscheidet, mit welcher Farbe aus der gesamten Palette er arbeitet, entwickelt er seine Komposition „mit dem Ideen-Kosmos eines zeitgenössisch denkenden Bildhauers, der an Altmeister wie Anthony Caro und David Smith anknüpft, aber auch auf Ansätze von Plastiken eines Joseph Beuys oder Bruce Nauman reagiert“, sagt Bettina Schönfelder, Geschäftsführerin des Kunstvereins.

Der Betrachter muss sich den formal und farblich überbordenden Parcours erschließen, umherwandeln, die Perspektive wechseln. Entlang der Gitter entstehen durch die sich überlagernden Raster spannende Moiré-Effekte und Muster. Ähnliches passiert beim Betrachten der Lamellen an den Fenstern des Gebäudes selbst.

Kuhn zeigt zudem fünf Wandobjekte, die wiederum mit Gebrauchsgegenständen spielen: Teppiche, Stahltonnen, Acrylglas, Lederpolster. Es sind collagenartig komponierte Arbeiten aus seiner Reihe „The Kubrick Sessions“, inspiriert von den verschachtelten Räumen des US-Regisseurs.

Kuhn sucht den Dialog mit der Kunstgeschichte ebenso wie mit Film und Jazzmusik, die er als Schlagzeuger betreibt. In der Galerie im Hof zeigt der Bildhauer im Untergeschoss zwei weitere Skulpturen, eine davon („Late One Evening“) will er als Hommage an Anthony Caro verstanden wissen.