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Mit vielen Sprüngen, Hebe- und Drehfiguren begeistert das Ballett bei „Leichtes Blut“ von Johann Strauß.
Ausgelassen Foxtrott, Walzer und Rumba getanzt wurde zu Musik von dem erstmals aufspielenden Tanz- und Showorchester „First Class Orchestra“ aus Mannheim.
Prachtvolles Finale: Bei „Alle maskiert“ von Johann Strauß singen der eingesprungene Chordirektor Carl Philipp Fromherz und die Solisten Danielle Rohr, Franziska Tiedtke und Johannes Strauß (vorne von links) im Quartett, der Chor wiegt sich dazu in prachtvollen Barockkostümen im Takt.
Kraftvoll: Evi van Wieren, Johannes Blattner und Eleonora Pennacchini (von links) zeigen Auszüge aus der aktuellen Ballettproduktion „Der Kuss“.
05.03.2017

Rauschende Ballnacht voller Heiterkeit - Bühnenball des Theaters Pforzheim mit knapp 1000 Gästen im CCP

Ein charmanter Handkuss, ein überraschendes Dirigentendebüt und ein Intendant, der alle Solisten, Chorsänger und Tänzer des Abends namentlich vorstellt: Zum 36. Mal sorgt das Theater Pforzheim mit dem Förderverein für einen stimmungsvollen Bühnenball.

Bildergalerie: Viel Prominenz beim 36. Bühnenball im CCP

Knapp 1000 Gäste feiern mit, tanzen ausgelassen Walzer und Foxtrott auf dem Parkett des CongressCentrums – ganz nach dem Motto „Heiterkeit und Fröhlichkeit“. Dieses hat Paul Jadach mit der gleichnamigen Arie aus Albert Lortzings Oper „Der Wildschütz“ zuvor mit Verve verkündet. „Guten Abend, schön Sie alle hier zu haben“, begrüßt der Sänger das Publikum persönlich, ja küsst Sozialbürgermeisterin Monika Müller sogar die Hand und hebt zur Arie immer wieder sein Glas. Mit einem bunten Spaziergang durch die Opern- und Operettenlandschaft stimmen Solisten, Chor und Ballett auf die rauschende Nacht ein, schwungvoll begleitet von der Badischen Philharmonie unter Leitung von Markus Huber.

Vor der Ouvertüre aus der – an diesem Abend dominierenden – Operette „Eine Nacht in Venedig“ von Johann Strauß hat Carsten von Zepelin das Wort: „Das Ensemble leistet Großartiges mit immer kleinerem Budget“, sagt der Fördervereinsvorsitzende. Der Verein, der vor 50 Jahren gegründet wurde und über 500 Mitglieder zählt, sei ein Rückhalt. Thomas Münstermann betont das Theater als altes Modell für internationales Zusammenleben. „Wir sind froh, ein solches Modell zu sein, um die Vielfalt darstellen zu können“, so der Intendant, der ohne Textvorlage durch das relativ kurze, von Alexander May und Caroline Stolz zusammengestellte Programm führt. Vor 25 Jahren habe er den Bühnenball das letzte Mal erlebt, damals noch als Oberspielleiter des Musiktheaters. „Ich wollte nie moderieren“, so Münstermann, der es trotzdem herrlich findet, die Auszüge aus aktuellen Ballettproduktionen wie „Der Kuss“ oder den „Lagunenwalzer“ mit Solist Johannes Strauß und wiegenden Tanzpaaren in barocken Kleidern und Perücken anzukündigen.

Der Tenor glänzt dabei mit geschmeidigem Timbre, verfolgt danach mit schmachtendem Blick die reizende Sopranistin Franziska Tiedtke bei ihrer Arie „Ich schenk mein Herz“ aus der Operette „Die Dubarry“ von Carl Millöcker. Von der Treppe im Saal nähert sich die beliebte Sängerin in rotem Kleid, singt in lyrischem Ton von Männern und Schmeicheleien und zieht später als Glücksfee die fünf Hauptgewinne der Tombola. Ausdrucksstark auch Kwonsoo Jeon bei „Freunde, das Leben ist lebenswert“ aus Franz Léhars „Giuditta“ und Danielle Rohr bei der „Seguidilla“ aus Georges Bizet „Carmen“. Ohrenbetäubend laut ist es bei „Ja, das Eisen wird gefüge“ aus Strauß‘ „Zigeunerbaron“. Denn hier trumpft nicht nur der Chor, sondern auch die Badische mit echten Hammerschlägen auf. Feinere Harfen- und Glockenspiel-Akzente sind indes bei der „Glöckchenarie“ aus Léo Delibes‘ Oper „Lakmé“ zu hören, die mit der fantastischen Koloratursopranistin Elisandra Melián zum Höhepunkt gelangt. Federleicht und ausgesprochen klangschön meistert sie das Paradestück, für das sie zu Recht viel Beifall erhält. Als prachtvolles Finale wird mit „Alle maskiert“ noch mal ein Stück aus „Eine Nacht aus Venedig“ serviert.

Viel Stimmung auf dem Tanzparkett und bei der Tombola – OB überrascht als Kapellmeister

Dass der Bühnenball wieder ein gesellschaftliches Ereignis mit viel Prominenz wird, war abzusehen. Dass aber Oberbürgermeister Gert Hager den Radetzky-Marsch dirigiert, überrascht. „Der Künstler weiß nichts davon“, kündigt Intendant Thomas Münstermann das Debüt als „Zuckerl“ nach dem Bühnenprogramm an.

Und so stimmt Generalmusikdirektor Markus Huber nur die ersten Takte an, dreht sich um und überreicht den Stab an Hager. Der greift ohne zu zögern zu, geht zum Pult und leitet das Orchester zum Staunen der Gäste. Traditionell eröffnet der OB auch den Tanz mit einem langsamen Walzer, an der Seite seiner Gattin Sabine. Sein Wahl-Herausforderer Peter Boch, „schwerbegeistert“ von dem Ball, ist indes ohne Ehefrau gekommen. Einer der Balletttänzer habe die Ausbildung bei seiner Gattin gemacht, erzählt er.

Zu Musik von Gloria Gaynor, Hildegard Knef oder Helene Fischer lockt das erstmals aufspielende Tanz- und Showorchester „First Class Orchestra“ aus Mannheim auf die Tanzfläche, wo Politiker neben Musikern der Region oder auch leidenschaftlichen Salsa-Tänzern wie Andrea und Roman Utech aus Ispringen das Tanzbein schwingen.

Richtig Stimmung mit Polonaise kommt bei „I will survive“ auf, das auch draußen im Foyer präsentiert wird – von den Schauspielern Robert Besta, Tobias Bode, Theresa Martini und Pianist Markus Herzer. Als Senioren zeigen sie Ausschnitte aus dem Songdrama „Ewig jung“ – und begeistern ebenso wie Klaus Dusek mit Jazzcombo und Special Guest Natasha Young einen großen Fan-Kreis. Rasch von Künstlern verkauft werden die 950 Lose der Tombola zugunsten des Theaters und Fördervereins. 19 hochwertige Preise sind dabei zu gewinnen, fünf davon als Hauptpreise.

Entziffern will gelernt sein

Über den ersten – ein Auto – freut sich Larissa Kraus aus Waldrennach. „Das ist unglaublich“, erzählt die 23-jährige Jurastudentin von ihrem Gespür, mit der zweiten Losnummer 713 sicher Glück zu haben. Der zweite Preis, ein 18-Karat-Ring aus dem Hause Wellendorff, geht an Ulrike Fritsch-Nölke, der dritte, ein Hotelgutschein, an Susanne Braennle. Wie vor zwei Jahren kommt es erneut zu leichten Schwierigkeiten – beim Entziffern einer Losnummer. Damals war diese verdreht und der Preis fälschlicherweise vergeben worden. „Das war peinlich. Aber als ich die Geschichte bei der Oscar-Verleihung gesehen habe, dachte ich, dass uns kaum etwas passieren kann“, sagt Carsten von Zepelin. Anita Molnar