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Andrea De Vitis
Andrea De Vitis
Dorothea Merkel leitet das beim Internationalen Gitarrenfestival mit viel Beifall bedachte Jugendorchester.  Frommer
Dorothea Merkel leitet das beim Internationalen Gitarrenfestival mit viel Beifall bedachte Jugendorchester. Frommer
02.05.2016

Rauschender Beifall für den Gitarrenvirtuosen Andrea De Vitis

.Die zweite Auflage des Internationalen Gitarrenfestivals überzeugte mit Qualität und Vielfalt: Im Kulturhaus Osterfeld fanden an zwei Tagen vier Konzerte, zwei Meisterkurse und begleitende Veranstaltungen des von der Gitarrenakademie Pforzheim ausgerichteten Festivals statt. Den Auftakt bestritt das an diesem Abend 17-köpfige Gitarrenorchester Pforzheim, dirigiert von Dorothea Merkel.

Das 2011 von ihrem Vater, Artur Merkel, gegründete Jugendorchester konnte Mitte 2015 beim Landeswettbewerb für Zupfgruppen in Stuttgart den ersten Preis erringen. Das Gitarrenfestival in der Goldstadt bot den jugendlichen Musikern um Konzertmeister Niklas Horak (19) eine Auftrittsmöglichkeit ohne Wettbewerbsdruck – bereits gestern nach dem intensiven Event in Pforzheim trat das Ensemble die Reise zum Deutschen Orchesterwettbewerb in Ulm an.

Die jungen Musikerinnen und Musiker zeigten im Kulturhaus ein beachtliches Repertoire, das von Alessandro Marcellos Konzert in d-Moll bis zu Werken der argentinischen Protagonisten des Tango Nuevo Astor Piazzolla und Máximo Diego Pujol reichte – und vom Publikum mit viel Beifall gefeiert wurde.

Orchesterleiterin Merkel steuerte mehrere Arrangements bei, so zu Andrei Petrovs „Beware Of The Car“, das seine lebhafte Spannung auch aus dem Wechselspiel der Solisten Mira Heller (16, Querflöte) und Nathalie Trautmann (14, Violine) zog. Moderatorin und Sopranistin Simone Unger-Krystek lieh ihre wandlungsfähige Stimme dem zeitlos schönen Lied „Come Again“ des englischen Renaissance-Komponisten John Dowland und Piazzollas „Oblivion“ („Vergessenheit“).

Der Star des Eröffnungsabends, der römische Gitarrenvirtuose Andrea De Vitis (31), verlieh der Zugabe des Gitarrenorchesters – Pujols „Tangata de Agosto“ – zusätzliche Brillanz und krönte das Doppelkonzert mit seinem sensibel interpretierten Programm aus Romantik und Moderne. Er beschenkte das Publikum mit vier Sätzen aus Mario Castelnuovo-Tedescos Sonate „Omaggio a Boccherini“ und mit Gitarrenkompositionen von Johann Kaspar Mertz, die eine verblüffende Ähnlichkeit zur wesentlich bekannteren Klaviermusik Chopins, Bartholdys und Schumanns aufweisen. Mit scheinbar spielerischer Leichtigkeit entlockte Andrea De Vitis seiner Konzertgitarre eine Vielzahl von Triolen, Tremoli oder den säuselnden Klang einer Mandoline – beispielsweise bei der „Fantasie über La Traviata“ des Spaniers Francisco de Asís Tárrega.

In sichtlich bester Laune spielte Andrea De Vitis mehrere Bravourstücke als Zugaben, darunter „Gottes Gabe“ von Agustin Barrios und Etüden von Johann Kaspar Mertz und Fernando Sor.