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Der schottische Sänger Ray Wilson im Kulturhaus Osterfeld. Foto: Meyer
14.09.2018

Ray Wilson und Band spielen Genesis-Klassiker, Akustik-Pop und Balladen

Pforzheim. Zum Auftakt tickt die Uhr. Es sind die ersten Töne von „No Son Of Mine“, jener Genesis-Nummer aus dem Jahr 1991, als die britische Rock-Band knapp 25 Jahre auf dem Buckel hatte. Inzwischen liegt die Genesis-Gründung 50 Jahre zurück.

Dieses Jubiläum, und seinen 50. Geburtstag, hat der Sänger Ray Wilson zum Anlass für eine Tournee genommen. Er war Singer/ Songwriter des einflussreichen Musikprojekts, nach dem Abschied von Phil Collins (1996) bis zur Auflösung. Am Donnerstagabend führte ihn die Tour ins Kulturhaus Osterfeld.

Wenn Wilson mit seiner warmen Sprechstimme das Publikum auf die Zeitreise mitnimmt und von Genesis erzählt, spricht er von „ihnen“, „der Band“. Es mag an der Bescheidenheit des sympathischen Schotten liegen, dass er sich offenbar als Gast fühlte. Doch war der Genesis-Sound durch Peter Gabriel und Phil Collins auf ihre unterschiedliche Weise bereits stark geprägt, was die Fans gerade nach Gabriels Ausstieg durchaus spaltete. Schlagzeuger und Sänger Collins kommerzialisierte Genesis konsequent, manche Hits waren von seinen Solo-Scheiben kaum mehr zu unterscheiden

Bildergalerie: Ray Wilson im Kulturhaus Osterfeld

Etwa 220 Gäste, großteils aus der Generation 50 plus, haben sich im Osterfeld nun Ray Wilsons Rückblick mit seiner heutigen Band angeschaut. Und die bekommen in zweieinhalb Stunden einen hörenswerten, unterhaltsamen Querschnitt durch die Genesis-Geschichte, aber auch Titel, die er solo oder mit Stiltskin veröffentlicht hat. Da finden sich schöne Akustik-Pop-Nummern („Wait For Better Days“, „Along The Way“)und gefühlvolle Balladen – ob mit spirituellem Charakter („Lemon Yellow Sun“), übers Kürzertreten („Take It Slow“) oder über Selbstreflektion („Alone“). Zwischendurch plaudert er charmant aus dem Nähkästchen.

Ray Wilsons leicht angeraute Stimme beherrscht den Abend. In tiefen, leisen Passagen erinnert sie tatsächlich an Phil Collins. Bei „That’s All“ wird munter mitgeklatscht, einige beginnen zu tanzen. Im ersten Teil des Konzerts interpretiert die Band Titel, die die Genesis-Musiker einst solo veröffentlicht hatten: Mike Rutherfords „Another Cup Of Coffee“, Phil Collins’ „Another Day in Paradise“ und Peter Gabriels „In Your Eyes“. Viele Songs baut die Band behutsam arrangiert auf, aber meist dicht am Original: Zunächst begleitet sich Wilson, der schon mit Westernhagen und den Scorpions auf der Bühne stand, nur mit der Gitarre. Nach dem ersten Refrain stimmen die anderen Musiker mit ein: Bruder Steve Wilson (Gitarre, Gesang), Kool Lyczek (Keyboards), Marcin Kajper (Bass, Querflöte, Saxofon), Mario Koszel (Schlagzeug) und Alicja Chrzaszcz (Geige), die im Sound bisweilen etwas untergeht. Das rhythmische Zusammenspiel ist anfangs leicht unpräzise, manch poppiger Titel plätschert vor sich hin. Weniger ist mehr, wie die toll reduzierte Version von „In The Air Tonight“ zeigt.

Es sind gerade die vielschichtigen Titel aus der Zeit des Progressive Rock wie „Carpet Crawlers“, die für Gänsehaut sorgen und gut ins Ohr gehen. „Follow You Follow Me“ summt das Publikum ab den ersten Akkorden mit. Zu den stark bejubelten Höhepunkten zählen auch Peter Gabriels „Solsbury Hill“, das von Pink Floyd eingeschmuggelte „High Hopes“ oder, nach dem Stiltskin-Hit „Inside“, das voller Intensität als letzte Zugabe vorgetragene „Mama“.