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Anspannung vor der Premiere: Regisseur Wim Wenders (71). Foto: Jutrczenka
Anspannung vor der Premiere: Regisseur Wim Wenders (71). Foto: Jutrczenka
20.06.2017

Regie in einer Oper: PZ-Interview mit Wim Wenders

Wim Wenders („Paris, Texas“, „Buena Vista Social Club“) führt erstmals Regie in einer Oper. Mit Daniel Barenboim als Dirigent bringt der Filmemacher am Samstag Georges Bizets „Die Perlenfischer“ an der Berliner Staatsoper heraus. Im Interview berichtet er über seine Erfahrungen mit der Oper und seine Liebe zur Musik.

PZ: Wie fühlen Sie sich als Neuling im Opern-Fach?

Wim Wenders: Uffjerecht, wo das ja nun mal in Berlin stattfindet. Ist ja aufregend, etwas zum ersten Mal zu tun. So viel auf einmal gibt es ja selten zu lernen. Im Film habe ich alles mehr unter Kontrolle. In der Oper ist der Dirigent die ausschlaggebende Person, der Regisseur spielt nur zweite Geige. Wir machen gerade die Orchesterproben, und da stelle ich mit Freude fest, wie sehr die Regie der Musik zuarbeitet.

„Die Perlenfischer“ war die erste Oper, die Sie gehört haben.

Lange Zeit kannte ich sie in der Tat nur vom Hören. Gespielt wird sie ja nicht oft, zu Unrecht. Dann habe ich sie erst neulich zum ersten Mal gesehen, in einer Live-Übertragung aus der Met in New York, in einem Multiplex-Kino am Alexanderplatz. Danach wusste ich, wie ich die Oper bestimmt nicht machen will.

Was reizt Sie an den „Perlenfischern“?

Die Musik ist richtig toll. Ich finde es sensationell, dass Georges Bizet sie mit 24 Jahren geschrieben hat. Unvorstellbar! Nur von seinen Librettisten wurde er leider nicht so gut bedient. Als sie das fertige Werk sahen, waren sie etwas geknickt. Wenn sie gewusst hätten, dass dieser junge Mann so viel Talent hatte, sagten sie kleinlaut, hätten sie Bizet nicht einen solchen Bären aufgebunden. Aber man kann die Geschichte durchaus freilegen. Und dann ist sie interessant. Eine klassische Dreiecksbeziehung.

Was kann der Opernregisseur Wenders vom Filmregisseur Wenders lernen?

Raumaufteilung. Das Licht. Für mich ist das Licht das Wichtigste nach der Musik. Man hat ja nur diesen einen Raum, und in dem kann nur das Licht neue Stimmungen schaffen. Unsere Oper spielt an einem Ort, der von jedermanns Fantasie schon sehr vereinnahmt ist: auf einer Insel.

Hatten Sie eine Bilderidee, als Sie die Oper zum ersten Mal hörten?

Ich habe die Musik vor allem über die Arie des Nadir kennengelernt. Bilder hatte ich dazu nicht, zumindest keine konkreten. Das ist ja reine Sehnsuchtsmusik. Als dann von Daniel Barenboim die Einladung kam, etwas zusammen zu machen, und das großzügige Angebot, dass ich dafür auch selbst einen Vorschlag machen könnte. Da habe die „Perlenfischer“ vorgeschlagen. Barenboim sagte: „Ja, das ist schön, das habe ich auch noch nie gemacht“ und hat zugestimmt.

In Ihren Filmen spielt Musik eine zentrale Rolle.

Ja. Von lateinamerikanischer Musik bis zu Rock 'n’ Roll, Blues und Fado. Klassik war nicht oft dabei, auch wenn ich immer wieder mit orchestraler Musik gearbeitet habe, gerade bei „Himmel über Berlin“.

Oper ist bei Nicht-Operngängern als künstlich verschrien. Empfinden Sie das auch so?

Ja, mitunter. Bei manchen Opern geht mir das so, dass ich da nicht viel mit anfangen kann, weil ich in die Welt nicht reinkomme, oder sie eben zu künstlich ist. Bei unseren „Perlenfischern“ habe ich gerade davor den größten Bammel gehabt. Aber kaum standen die Sänger vor mir, hat sich das gegeben. Da wurde alles recht wirklich.