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Mirijam Woggon und Jakob Nacken mit den Tauschobjekten.  Frommer
Mirijam Woggon und Jakob Nacken mit den Tauschobjekten. Frommer
12.03.2019

Reimen bis zum Abwinken: Tauschrausch-Trio im Osterfeldl

Pforzheim. Jeder Resterampe wäre solch gewitztes Personal zu gönnen: Doch Jakob Nacken, Helge Thun und Mirijam Woggon spielen in einer ganz anderen Liga – und bringen seit 2015 Improvisationstheater und Comedy ins Kulturhaus Osterfeld. „Tauschrausch“ heißt die Show des gedankenschnellen und wortgewaltigen Tübinger Trios, doch den (von Zuschauern und Akteuren gleichermaßen) mitgebrachten Trödelkram nutzen sie im Grunde nur als Vehikel für ihre humorvolle Darbietung – die irgendwo zwischen Theatersport, interaktiver Parodie und satirischen Spottliedchen changiert. Am Sonntagabend sind es im Osterfeld mehr als 330 Zuschauer, die sich diesen Heidenspaß nicht entgehen lassen wollen.

Jakob Nacken sorgt am Piano für den instrumentalen Rahmen, Mirijam Woggon schlüpft in die Höchstgeschwindigkeits-Rolle einer sichtlich angesäuselten Gebärdensprache-Dolmetscherin, und der auf vielen Comedy-Sätteln bewährte Helge Thun ist, zumindest was das freibeuterische Mundwerk anlangt, primus inter pares. Zuhören, Aufgreifen, Umdeuten und Persiflieren sind für den 48-jährigen Komiker, TV-Moderator, Schauspieler und Zauberer eins. Das erlebt im Pforzheimer Publikum eine junge Sozialarbeiterin in Sachen Familien-, Paar- und Schuldnerberatung ziemlich hautnah: Sie erzählt Thun, dass sie in ihrem Lebenslauf mit dem Ortswechsel nach Pforzheim „einen systemischen Switch“ gemacht habe. Der Comedian sinniert: „Was ist ein Switch?“ und lässt ein Bild mit über einem Dutzend abgeschnittener Zöpfe an die Bühnenwand projizieren. „Das ist dann wohl ein Gruppen-Switch“, attackiert er die Lachmuskeln des Publikums und legt nach: „Das setzt ganz neue Gruppendynamik frei. Pforzheim ist ein Problemsystem. Systemisch betrachtet“.

Malle-Rechnung seziert

Große Heiterkeit löst auch die von einem Zuschauer per Handyfoto öffentlich gemachte Rechnung einer Malle-Zeche aus. Sie sei an einem warmen Januarnachmittag an der „Mesa 102“ entstanden und beläuft sich auf 443,85 Euro. Mit Abstand teuerster Posten: 31 Jacky-Cola zu 253,50 Euro. Nach wenigen gezielten Fragen gelingt es den drei Tauschrausch-Protagonisten alle Details des Gelages nachzuzeichnen. Beteiligt waren fünf Männer und eine Frau, überwiegend aus Huchenfeld, Sascha habe am meisten getrunken, der Saalgast Torsten gibt als Eigenverzehr hingegen nur „einen Wurstsalat“ zu. Die mitgereiste Frau heiße Melanie und sei Krankenpflegerin. Sofort posaunt Helge Thun: „Das passt in diesem Fall ja“. Und reimt: „Ich hab’ mich für den Urlaub schon bemüht – und ein wenig vorgeglüht“. Der Saal antwortet mit Riesenapplaus. Jakob Nacken legt sofort nach: „Nach 31 Jack-Daniels-Cola, fühl ich mich gleich viel wohlaa“, und Mirijam Woggon haut raus: „Ich will was sehen von der Welt, schließlich komm’ ich aus Huchenfeld“. Helge Thun greift noch einmal Melanies Beruf auf: „Du bist mir ein echter Segen. Du darfst gleich uns zwei Alte pflegen“.