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Stellt in seinen Arbeiten emotional-expressiven Pinsel-Duktus dem Geplanten, Konstruktivistischen gegenüber: der Tiefenbronner Künstler Thomas Olze.  Foto: Meyer 

Reiz des Undurchdringlichen: Thomas Olze zeigt „Flächen und Gebiete“ in der Galerie Brötzinger Art

Pforzheim. Bei Thomas Olze läuft’s. Für den virtuellen Projektraum „Stattbad“ kuratiert er. 2020 stellte er mit Stefan Pflüger bei Buslat aus, erst vor ein paar Wochen in der Raphael-Kirche. Nun also unter dem Titel „Flächen und Gebiete“ in der Galerie Brötzinger Art, die der 52-jährige Tiefenbronner an diesem Freitagabend eröffnet. Es sei eine ganz andere, expressive und installative Ausstellung, sagt er – um Bedenken zu zerstreuen, das Gezeigte könne sich ähneln.

In seinem Atelier arbeitet Olze stets zu Musik, gerne auch laut. Wie der Rhythmus seine Arbeiten beeinflusst, lässt ich gleich in den Eingangsräumen in der brandaktuellen Serie „Glider“ (ein Song der britischen Band My Bloody Valentine) nachempfinden. Der Titel bezieht sich auf ein Effektpedal, wie es im Shoegaze-Stil benutzt wird, um Gitarrensounds zu verzerren. Analog zu der Methode, in der mehrere Gitarrenflächen übereinander erklingen, legt er malerische Schichten übereinander: expressive Elemente mit teils starkem Duktus und vollem Farbauftrag pastos auf die Leinwand gehauen, gleichmäßige, tief erscheinende Hintergründe, Schüttungen, gerakelte Flächen und exakt gesetzte Linien. Ein schnelles Durchdringen der Bilder will Olze damit verhindern – die Arbeiten selbst wirken dadurch umso spannender, gerade was Farbkomposition und Lichteffekte angeht.

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Voller Rhythmus: die Serie „Glider“. Foto: Meyer

Einen ähnlichen konzeptionellen Ansatz zeigt die Bildserie „Oberflächenerkundung/Transit“: das Erschaffen ambivalenter Bildräume. Darin ergründet er die Dualität entgegengesetzter Pole, bei Olze ein Widerstreit zwischen Intellekt und Emotion. Gleichzeitig ergänzen sich diese Antagonisten und ergeben ein mehrschichtiges Ganzes mit unterschiedlichen Ebenen. Das Ambivalente zieht sich durch Olzes Werk. Damit schafft er einen Bezug zur Gesellschaft, die „immer intoleranter gegenüber Uneindeutigem wird“, wie er sagt, „die schlecht aushält, dass es mehrere Antworten gibt“.

Olze hat die Ausstellung narrativ konzipiert. Er greift die strukturierende Linienführung der „Glider“-Serie in der Installation „How Do You Do It“ auf. Spiegel binden wiederum die Arbeiten von „Oberflächenerkundung/ Transit“ ein. Die normalerweise in der Landwirtschaft verwendete, silberne Folie bildet eine ambivalente Fläche zu der organischen Struktur: ein mit Chromlack überzogener Ast. Eine solche Folie hat Olze auch im Gang angebracht. Auf ihr hängen Collagen aus übermalten Landkarten auf goldfarbenem Spiegelkarton. Ihnen stehen zwölf übermalte, Fotografien gegenüber. Sie zeigen Landschaftsaufnahmen und Abstraktes.

„Flächen und Gebiete“ wird am Freitag um 18.30 Uhr eröffnet in der Galerie Brötzinger Art, Brunnenstraße 14 in Pforzheim. Die Ausstellung ist bis 18. Juli zu sehen: donnerstags von 14 bis 17 Uhr, freitags und samstags von 18.30 bis 22 Uhr, sonntags von 11 bis 18 Uhr – für Geimpfte, Genesene und Getestete sowie mit Maske.

Michael Müller

Michael Müller

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