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27.07.2016

Religionskritische Version von „Parsifal“ bei Richard-Wagner-Festspielen

Bayreuth. Uwe Eric Laufenberg, vor zwei Jahren für den gefeuerten Skandalkünstler Jonathan Meese eingesprungen, hat am Montagabend bei den Richard-Wagner-Festspielen eine überaus religionskritische Version von Wagners Spätwerk „Parsifal“ auf die Bühne gebracht. Seine humanistische Interpretation der Erlösungsoper kam beim Publikum fast ausnahmslos gut an.

Der Intendant des Hessischen Staatsschauspiels in Wiesbaden erntet am Schluss Schulterklopfen. Und auch als er auf der Bühne steht, wird er beinahe so sehr gefeiert wie der kurzfristig eingesprungene Dirigent Hartmut Haenchen, der mit insgesamt vier Stunden ziemlich schnell durch die drei Akte von Wagners letzter Oper führt.

In Laufenbergs Inszenierung – gerüchteweise als islamkritisch angekündigt – bekommt jede monotheistische Religion ihr Fett weg. Den ersten Aufzug der Erlösungs-Oper verlegt er in eine katholische Kirche irgendwo im Nahen Osten. Flüchtlinge scheinen dort auf Feldbetten Kirchenasyl gefunden zu haben. Doch sie müssen gehen, als die Gralsritter ihren Riten nachgehen wollen – schließlich steht ja am Ende des ersten Aktes die feierliche Enthüllung des Heiligen Grals. Amfortas (Ryan McKinny), bei Laufenberg eine explizite Christusgestalt mit Dornenkrone und Wundmalen, liegt blutüberströmt auf einer Art Taufbecken, seine Ritter zapfen ihm das Blut ab.

Der zweite Teil spielt in einer Art orientalischer Wellness-Oase, in der die Blumenmädchen und Kundry vergeblich versuchen, dem „reinen Tor“ Parsifal die Unschuld zu rauben. Die Blumenmädchen sind zunächst schwarz verschleiert. Wer Islamkritik sucht, könnte sie hier finden. Aber lange tragen die Mädchen die Verschleierung nicht – unter ihnen kommen Bauchtänzerinnen-Kostüme zum Vorschein. Die Kulisse wird zum Harem.

Plumpe Späße

Vorher trägt der entmannte Klingsor ein Kruzifix durch die Gegend, das in einem hölzernen Phallus endet. Das Christentum als Ersatz für die verlorene Männlichkeit – ein netter Gedanke, wenn auch ziemlich plump. Im dritten Akt dann ist die Kirche nur noch eine Ruine. Dahinter kommt aber das Paradies zum Vorschein, in dem nackte Evas unter einem tropischen Wasserfall duschen. Wenn nur die Überreste dieser Kirche nicht wären – man hätte einen ungetrübten Blick auf dieses Paradies.

Ganz zum Schluss, in der berühmten Erlösungsszene, beerdigen Muslime, Juden und Christen die Symbole ihrer Religionen. Kruzifix, siebenarmige Leuchter und liturgische Gegenstände landen im Sarg. Dem Programmheft ist ein Zitat des Dalai Lama vorangestellt: „Ich denke an manchen Tagen, dass es besser wäre, wenn wir gar keine Religionen mehr hätten.“