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Tianwa Yang und Nicholas Rimmer präsentieren alle zehn Violinsonaten. Roller
Tianwa Yang und Nicholas Rimmer präsentieren alle zehn Violinsonaten. Roller
06.11.2018

Remchinger Publikum feiert Künstler für neun Stunden Beethoven

Remchingen. Dynamisch, dramatisch und mit unbändiger Spielfreude die Kontraste betonend, präsentieren Tianwa Yang an der Geige und Nicholas Rimmer am Piano Beethovens neunte Violinsonate (op. 47), besser bekannt als Kreutzer-Sonate. Ein äußerst anspruchsvolles Stück, auf dessen langsame Einleitung im ersten Satz dunkle Untertöne folgen, bis das Presto anhebt.

Virtuos meistert Yang die rasanten Läufe, während sich Rimmer am Klavier schön zurückhält. Gekonnt variieren die beiden Musiker anschließend Lautstärke und Tonhöhe, lassen das zentrale Thema des zweiten Satzes kunstvoll in immer neuen Formulierungen durch ihre Instrumente wandern.

Der dritte Satz beginnt energiegeladen, wirkt überschwänglich. Yangs Spiel bildet selbst feinste Nuancen ab, Rimmer begeistert mit perfektem Tastenanschlag. Die Musiker spornen sich gegenseitig zu Höchstleistungen an. Die Intensität ihrer Darbietung ist ansteckend: Das Publikum spendet nicht enden wollenden Beifall.

Dabei ist die Kreutzer-Sonate am Sonntag nicht die einzige, die die beiden im alten Pfarrsaal in Nöttingen zur Aufführung bringen: Alle zehn Violinsonaten stehen auf dem Programm, eine nach der anderen. Eine außergewöhnliche Darbietung, mit der Yang und Rimmer den Facettenreichtum von Beethovens Werk zeigen wollten. Seit mehr als sechs Jahren musizieren sie schon zusammen.

Indem sie Beethovens Musik in einem intimen Rahmen aufführen, ermöglichen sie den Zuhörern eine unmittelbare und dadurch umso intensivere Rezeption. Mehr als 90 Gäste hatten sich im Vorfeld für das immer wieder von Pausen unterbrochene Konzert angemeldet. Als es nach rund neun Stunden endet, ist das Publikum noch lange nicht müde: tosender Beifall, Bravo-Rufe und Getrampel mit den Füßen.