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Skulptur trifft Malerei: gemeinsame Ausstellung von Rainer Nepita (links) und René Dantes in der Galerie Brötzinger Art. Foto: Meyer

René Dantes und Rainer Nepita stellen in der Galerie Brötzinger Art aus

Pforzheim. Sie interpretieren die Natur in ihrer jeweils eigenen Formsprache und Gattung. Und das ist nicht das Einzige, was den Bildhauer René Dantes (Pforzheim) und den Maler und Zeichner Rainer Nepita (Oberkirch) verbindet. Beide werden von der Kölner Galerie Ulf Larsson vertreten, beide waren Stipendiaten der Basler Stiftung zum Kleinen Markgräfler Hof von Rainer Bartels. „Wir schätzen uns nicht nur künstlerisch, sondern sind seit ein paar Jahren gut befreundet“, sagt Dantes. „Ein seltener Glücksfall.“

Bei so viel Harmonie lag es nahe, eine gemeinsame Ausstellung auf die Beine zu stellen, unter dem Aspekt der Freundschaft: eine intime Begegnung zweier Künstler-Persönlichkeiten in den kleinen, gleichfalls intimen Räumen der Galerie Brötzinger Art. Die Schau „Formen Colours“ eröffnet heute Abend. Die beiden stellen insgesamt 25 Arbeiten, die zum Großteil in den vergangenen Jahren entstanden sind, in einen spannenden Dialog.

Blattformen von Wildpflanzen

Auf der einen Seite Nepitas Zeichnungen und Malerei: Mit schlingernden Linien spürt er den Blattformen von Wildpflanzen nach. Das fasziniert ihn schon seit den 1970er-Jahren. „Anregung war mein Vater, mit dem ich als Kind in Franken große Strecken gegangen bin, auf Augenhöhe mit der Botanik“, erinnert er sich.

Mit Acryl, Ölfarbe und Bleistift verarbeitet Nepita, was er auf seinen Erkundungen in der Natur oder in urbaner Alltagsvegetation vorfindet. Heute verfügt er über eine ganze Bibliothek mit Tausenden, in Bücher gepressten Graphit-Zeichnungen. Aus diesem Fundus schöpft er, arbeitet sich Seite für Seite voran, entwickelt aus dem Zeichnen heraus Zeichen und Fragmente, überträgt immer neue Details der Pflanzen, Blüten und Blätter in immer tieferen Abstraktionsebenen auf die Leinwand. Die Wiedererkennbarkeit sei ihm dabei nicht wichtig, er sei auch kein „Pflanzenbestimmer“. Der 64-Jährige verliert sich ganz in der Vielfalt der Formen.

Zahlreiche Überlagerungen lassen vielschichtig durchleuchtete Räume entstehen, meist auf Grundlage von Spektralfarben wie grün oder blau. „Pflanzen sind die wichtigsten Lebewesen überhaupt. Ohne Pflanzen gäbe es uns nicht, und auch keine Tiere“, sagt Nepita, der an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe studiert hat. „Was sie ausatmen, atmen wir ein.“

Arbeiten korrespondieren

Auf erstaunliche Weise korrespondieren seine Arbeiten mit Dantes’ Stelen und Skulpturen. Es macht Spaß, in der Galerie auf Spurensuche zu gehen. Je nach Blickwinkel meint man tatsächlich, die ein oder andere Form im korrespondierenden Gegenüber wiederzuerkennen. „Das ist eine Seelenverwandtschaft auf zwei Ebenen“, erklärt René Dantes. Das Werk des 56-Jährigen kennzeichnet ein beständig fließender Dialog zwischen Skulptur, Malerei und Zeichnung, auf schmalem Grat zwischen gegenständlicher Assoziation und Abstraktion.

Seine Torsi, Köpfe oder Figuren ergründen den Menschen in seinem Wesen und Sein. In ihrer reduzierten, organischen Endform lassen sich noch jene Pflanzen oder Körper ausmachen, die einst Ausgangspunkt seines bildnerischen Schaffens waren. Stets wichtig ist Dantes dabei der Bezug zur Natur. Ist da Blattwerk zu erkennen? Oder sind es Wellen? Auf einer übergeordneten Ebene geht es in vielen Arbeiten um Darstellung von Vitalität und Leben.

Die Ausstellung „Formen Colours“ in der Galerie Brötzinger Art, Brunnenstraße 14 in Pforzheim, eröffnet an diesem Freitagabend um 20 Uhr. Die Schau ist bis 14. April zu sehen. Öffnungszeiten: donnerstags von 14 bis 17 Uhr, freitags und samstags von 18.30 bis 22 Uhr sowie sonntags von 11 bis 18 Uhr.