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Großartiges Duo: Geigerin Mirijam Contzen und Pianist Bernd Glemser bei den Maulbronner Klosterkonzerten. Fotomoment
Großartiges Duo: Geigerin Mirijam Contzen und Pianist Bernd Glemser bei den Maulbronner Klosterkonzerten. Fotomoment
12.09.2016

Residenz-Pianist begeistert bei den Maulbronner Klosterkonzerten

So beglückt und beflügelt von einem Duo-Partner hat man Bernd Glemser selten erlebt. Kein Wunder, denn der Residenz-Pianist musizierte am Freitagabend bei den Maulbronner Klosterkonzerten zusammen mit Mirijam Contzen, die schon 2008 mit ihrer Aufführung des Beethoven-Violinkonzerts mit dem Südwestdeutschen Kammerorchester in Pforzheim begeisterte.

In bestem Einvernehmen entfalteten beide Solisten einen springlebendigen, ungewöhnlich dichten musikalischen Diskurs mit liebevoll singenden Passagen, zuweilen aber auch mit hitzigen Zusammenstößen.

Frohgemuter Vogelgesang

Den Programm-Rahmen des Konzertabends im Laienrefektorium bildeten zwei Kompositionen von Franz Schubert, dessen Musiksprache Contzen und Glemser mit allen ihren harmonischen und rhythmischen Eigentümlichkeiten kunstvoll herausarbeiteten. Virtuos und dennoch luftig leicht zele-brierten die Künstler das Rondo A-Dur (D 438), mal heiter hüpfend im Gestus, mal temperamentvoll rasant, mit Verzögerungseffekten und Spitzentönen – wie einen frohgemuten Vogelgesang. Eher melancholisch dagegen die Grundstimmung von Schuberts Fantasie C-Dur (D 934): Crescendo-Stoff in den kräftigen Einstiegstakten des Pianoforte, dann trat die Geige zart und leise singend herein. Es folgten perlende Klavier-Glöckchen-Skalen zu dunklen Violin-Kantilenen. Oder heftige Tremoli beider Instrumente und gezupfte Pizzikati zu prächtig ausgelebten Klavierläufen. Manchmal glaubte man, Schuberts Traurigkeit über nie erfüllbare Liebe herauszuhören. Dynamisch vielgestaltig mit aufblühendem Ton interpretierte das Duo, gleichsam eingebettet in Schuberts romantische Tonmalereien, Sonaten von Brahms und Beethoven. Die Wiedergabe der Brahms-Sonate in G-Dur (op.78) beeindruckte mit klanglich bezauberndem Duettieren – liedhaften Elementen im ersten Satz „Vivace“, schwärmerischer Wehmut im „Adagio“, das in tiefer Stille aus- ausklang, und einem verträumt-melodischen Finalsatz. Mit Beethovens Sonate in a-Moll (0p.23) meldeten sich dagegen dramatische Entwicklungen musikalisch zu Wort. Wirbelnd aufsteigende und fallende Motive lagen miteinander im Widerstreit. Als Zugabe ertrotzten sich die Zuhörer mit nicht enden wollendem Beifall eine Duo-Bearbeitung des Beethoven-Liedes „Zärtliche Liebe“.