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Mit seinen großformatigen Textil-Arbeiten hat der Wurmberger Künstler Peter Jacobi in den 1970er-Jahren weltweit für Furore gesorgt. Foto: Seibel
Mit seinen großformatigen Textil-Arbeiten hat der Wurmberger Künstler Peter Jacobi in den 1970er-Jahren weltweit für Furore gesorgt. Foto: Seibel
12.02.2016

Revolution in Stoff: Pforzheim Galerie zeigt Peter Jacobi

Jahrzehnte, wenn nicht Jahrhunderte, hat sie geschlummert – und die Neuerungen der Moderne verschlafen. Die Textilkunst steht nach dem Zweiten Weltkrieg kaum im Fokus. Das ändert sich abrupt. In rund 20 Jahren schafft die vernachlässigte Kunst den Anschluss an die Gegenwart. Dieser Zeit widmet die Pforzheim Galerie mit „Aufbruch Textil“ eine neue Ausstellung. Morgen wird sie eröffnet. Warum Textilkunst in Pforzheim? Teile des Umschwungs werden von hier aus gelenkt. Denn mit Peter Jacobi ist seit dem Jahr 1971 ein führender Vertreter der Bewegung Professor an der Hochschule. Seine Werke, die er mit seiner damaligen Ehefrau Ritzi konzipiert, machen einen Großteil der Ausstellung aus.

„Ich kann mich daran erinnern, wie wir in unserem Wohnort Neubärental mit vielen Helfern an den großformatigen Werken gesessen haben“, sagt Jacobi. Von dort aus treten die Tapisserien ihre Reise an. 1970 schon haben sie die Jacobis in Venedig gezeigt, zwei Jahre später in São Paulo: Die gesamten 1970er-Jahre hindurch kommen Städte in Europa und Amerika hinzu. Dort wird der neue Textil-Stil gezeigt und diskutiert.

In Osteuropa fängt es an

Auffallend ist: Viele Künstler des textilen Aufbruchs stammen aus Osteuropa. So wie die Jacobis selbst. „Ich bin den 1960er-Jahren durch meine Heimat Rumänien gewandert“, sagt der Künstler. Er durchstreift ein Land, in dem der Umgang mit Textilen auf hohem Niveau überall präsent ist – in den fein gewebten Decken, Fahnen oder Wandbehängen der Volkskunst. Darauf greifen Jacobi und seine Frau zurück – aber sie gestalten das Neue daraus.

Denn optisch haben die monumentalen Textil-Landschaften der Jacobis wenig gemein mit den folkloristischen Arbeiten der Heimat. Was sie suchen, ist der Anschluss an die Moderne. Sie lassen zurück, was noch die Tapisserien der 1950er-Jahre prägt. Farbenfrohe Decken für die leere Wand wollen sie nicht erschaffen – sondern selbstständige Kunstwerke in Stoff. Sie wollen zeigen, dass die Textilkunst mehr ist als schmückendes Kunstgewerbe. Es sind die Kunstmuseen, in denen die Jacobis von Chicago über Paris nach Stockholm ausstellen. Der Sprung von der Dekoration zur selbstständigen Kunst ist geglückt. Auch dass er noch heute wirkt, zeigt die Ausstellung.

Denn neben den Werken der Vergangenheit gibt es ebenso zeitgenössische Textilkunst zu sehen. Sie zeigt, wie etabliert die einst so frische Gattung ist. Hier gibt es keinen Einheitsstil. Vielfalt beschreibt die Werke der Jungen, die mit Heu wundersame Kissen flechten oder aus Fäden schillernde Irrgärten bauen. Die Textilkunst ist erwachsen geworden.