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Nostalgische Revue: Klaus Geber und Lilian Huynen interpretieren echte Klassiker, während sich Bassist Klaus Dusek von hinten anpirscht. Foto: Roller
Nostalgische Revue: Klaus Geber und Lilian Huynen interpretieren echte Klassiker, während sich Bassist Klaus Dusek von hinten anpirscht. Foto: Roller
05.12.2018

Revue im Theater-Foyer entführt in die Welt der 1970er- und 1980er-Jahre

Pforzheim. Ölkrise, Mauerfall, RAF-Terror, Tschernobyl, Brandts Kniefall, Watergate-Affäre, Friedensbewegung, gefälschte Hitler-Tagebücher, Hippies und Yuppies, Punker und Popper: In den 1970er- und 1980er-Jahren ist eine ganze Menge passiert.

Aber nicht nur politisch und gesellschaftlich. Auch musikalisch hatten die beiden Jahrzehnte einiges zu bieten: Disco, Schlager und Neue Deutsche Welle zum Beispiel. Songs, die originelle Titel trugen wie „Schön ist es auf der Welt zu sein“, „Skandal im Sperrbezirk“ oder „Immer wieder geht die Sonne auf“. Titel, aus denen Lilian Huynen und Klaus Geber unter dem Motto „Hurra, wir sind noch da“ ein quietschbuntes Konzert gemacht haben. Eines, in dem man mitten in der Adventszeit zur Abwechslung kein einziges Weihnachtslied hört. Stattdessen entführen die beiden Sänger mit Klaus Dusek am Kontrabass, Florian Schühle am Schlagzeug und Philipp Haag am Klavier im ausverkauften Foyer des Stadttheaters in eine Zeit „zwischen Flokati-Teppich und Fiesta Mexicana“, in der man Clogs, Leggins und Schulterposter trugen. Außerdem noch bunte Hosen, Afros, Vokuhila-Frisur (vorne kurz, hinten lang), geblümte Hemden und glitzernde Anzüge. Im Fernsehen liefen Straßenfeger wie „Schulmädchenreport“, „Berlin Alexanderplatz“, „Wetten, dass ...?“ und „Verstehen Sie Spaß?“. Und im Radio? Da gehörte er noch klar zu ihr, da herrschte unter „32-16-8“ Konjunktur die ganze Nacht, da wurde die Resi noch stilecht mit dem Traktor abgeholt und zur Steigerung des Bruttosozialprodukts schon mal kräftig in die Hände geklatscht. Abba sangen gut gelaunt von der „Dancing Queen“ und Udo Jürgens sozialkritisch vom ehrenwerten Haus.

Publikum klatscht kräftig mit

Titel, die nicht nur damals gut ankamen: Es dauert nicht lange, bis das Publikum im Stadttheater kräftig mitklatscht, während Schlagzeuger Florian Schühle bei den „Kreuzberger Nächten“ fast vom Hocker fällt und Huynen mit ausladenden Bewegungen und südländischem Akzent erklärt: „Yes Sir, I Can Boogie“. Bei „Tränen lügen nicht“ fängt Geber an, zu summen, man fragt sich: Wo ist das Feuerzeug, wenn man es zum In-die-Luft-strecken braucht?

Parforceritt durch die Epoche

Es ist ein Parforceritt durch eine musikalische Epoche, in der Nina Hagen in der DDR in einem eigentlich als Parodie gemeinten Schlager über einen vergessenen Farbfilm sang, in der die Musiker von Karat mit „Über sieben Brücken musst du gehn“ den Song zur Wiedervereinigung lieferten, in der Lieder „Da Da Da“ heißen durften und es trotzdem auf Platz zwei der deutschen Single-Charts schafften.

Zwei Jahrzehnte voller Veränderungen und Umwälzungen packen die Schauspieler in 90 Minuten. Als die vorbei sind, folgen auf tosenden Beifall drei Zugaben. Eine davon: „Theater“ von Katja Ebstein. Zufall oder Selbstironie?