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Vom Hardrock zur Mittelaltermusik: Ex-Deep-Purple-Gitarrist Ritchie Blackmore hat sich leiseren Tönen verschrieben. Foto: Roller
Vom Hardrock zur Mittelaltermusik: Ex-Deep-Purple-Gitarrist Ritchie Blackmore hat sich leiseren Tönen verschrieben. Foto: Roller
Kraftvoll und leidenschaftlich: Sängerin Candice Night. Foto: Roller
Kraftvoll und leidenschaftlich: Sängerin Candice Night. Foto: Roller
01.08.2017

Ritchie Blackmore und Candice Night begeistern beim Calwer Klostersommer

Calw-Hirsau. Die Zeiten, in denen er sein Equipment zerstört und die Objektive von Fernsehkameras demoliert hat, sind längst vorbei. Ritchie Blackmore hat sich verändert. Er ist ruhiger geworden. Als der ehemalige Deep-Purple-Gitarrist am Sonntagabend beim Calwer Klostersommer zusammen mit seiner Frau Candice Night auf der Bühne steht, zeigt er dem Publikum eine ganz andere Seite von sich.

Dass Blackmore und seine Frau ein Faible für Renaissance-Musik haben, macht schon ihr Outfit deutlich: In der Hirsauer Klosterruine stehen nicht nur sie, sondern auch die übrigen Mitglieder ihrer Band in historischen Gewändern auf der Bühne. Sie spielen Songs, die nach Mittelalter klingen, nach Burgen und Schlössern. Damit passen sie perfekt in die historische Klosterruine. Wenn Blackmore seine Gitarre spielt, dann ist das ganz großes Kino. Er weiß genau, wie er die Saiten seines Instruments bearbeiten muss und achtet selbst auf feinste Nuancen. Auf harte Riffs und wummernde Bässe kann man lange warten. Den Hardrock-Stil vergangener Tage hat Blackmore hinter sich gelassen und bringt stattdessen Akustikgitarren zum Einsatz. Manches klingt mystisch, anderes wirkt beschwingt und heiter.

Night garniert Blackmores Gitarrenspiel nicht nur mit ihrer kräftigen, erdigen Stimme, sondern auch mit verschiedenen Flöten, die sie stilsicher zum Einsatz bringt. Mit ihrer lockeren Art hat sie das Publikum bestens im Griff. Sie erzählt kleine Anekdoten und kurze Geschichten. Auf einmal dreht sie sich zu ihrem Ehemann um und fragt: „Are you ready Ritchie, wanna go to another song?“ Natürlich will er und wenige Sekunden später erklingt „Under a Violet Moon“. Das Instrumental „Durch den Wald zum Bach Haus“ klingt folkloristisch, während „Allan Yn N Fan“ einen deutlich schnelleren, eingängigen Rhythmus hat.

Mit dem Ritchie Blackmore der 1970er- und 1980er-Jahre hat das nicht mehr viel zu tun. Ausflippen und Abrocken dürfen die Fans auch nicht mehr – zumindest nicht in der ersten Hälfte des Konzerts. Mehr als vom Sitzplatz aufzustehen und ein klein wenig zu klatschen, ist erst mal nicht drin. Erst in der zweiten Hälfte darf unter den wachsamen Augen des Sicherheitsdienstes vor der Bühne gestanden und getanzt werden. Blackmore gibt seinen Fans am Bühnenrand die Hand und als er mal nicht weiter weiß, holt er kurzerhand die Setlist hinter der Bühne vor, hält sie ins Publikum und bittet einen Zuhörer: „Point to a song.“ Der zeigt auf „Peasant’s Promise“ und Blackmore verschwindet erneut nach hinten, um seine Mandoline zu holen. Die braucht er nämlich für dieses Lied. Als ihm die Zuhörer später verschiedene Songtitel zurufen, spielt er einfach grinsend „Wooly Bully“. Ritchie Blackmore hat sich verändert und ist dennoch er selbst geblieben. Den wohl besten Beweis dafür liefert er, indem er den Deep-Purple-Klassiker „Soldier Of Fortune“ als entspannte Ballade erklingen lässt. Die Zuhörer spenden nicht nur am Ende des knapp dreistündigen Konzerts tosenden Beifall.