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Sänger Campino tritt mit den „Toten Hosen“ auf der Hauptbühne des Musikfestivals Rock am Ring auf. Foto: Frey
Sänger Campino tritt mit den „Toten Hosen“ auf der Hauptbühne des Musikfestivals Rock am Ring auf. Foto: Frey
06.06.2017

Rock am Ring trotzt der Terrorangst

Nürburg. Campino gibt die Richtung vor. Jetzt werde erst recht gefeiert, ruft der Frontmann der Toten Hosen von der Bühne. Rock am Ring trotzt der Terrorangst. Bei Deutschlands wohl bekanntestem Musikfestival spielen sich denkwürdige Szenen ab.

„Die Stimmung war komisch“, erzählt Sonja. „Die Leute haben gesungen ,You’ll Never Walk Alone‘ und ,Eins kann uns keiner nehmen, und das ist die pure Lust am Leben‘“ – den alten Song von Geier Sturzflug. Die Stimmung in der Menge, die Rammstein erleben wollte und eine Terrorwarnung bekam, war gedrückt. „Aber ich hatte nicht das Gefühl, dass jemand groß Angst hatte“, sagt Sonja. Trotz aller Enttäuschung, Rammstein nicht zu sehen, halten viele die Entscheidung der Behörden, das Festival zu unterbrechen, für richtig.

Sonja und die anderen 90.000 Ringrocker haben dafür mit dem Wetter mehr Glück als die Besucher des Partnerfestivals Rock im Park: Diesmal gibt es kein Gewitter wie in Mendig, sondern nur strömenden Regen am späten Samstagabend – typisches Wetter bei Rock am Ring an seinem Ursprungsort. Pünktlich zum Auftritt der Toten Hosen fängt es an zu gießen. Doch die Fans lassen sich davon wenig beeindrucken. Frontmann Campino findet gleich zu Beginn die richtigen Worte, um der Menge einzuheizen und klar zu machen: „Ihr habt toll reagiert, und jetzt wird erst recht gefeiert!“

Nach knapp zwei Stunden endet der Auftritt der Band kurz vor 1 Uhr mit Konfettiregen – und „You’ll Never Walk Alone“ als Zugabe. Es ist rund 28 Stunden her, dass Besucher diese Hymne erstmals angestimmt haben – kurz nach dem Terroralarm. Jetzt singen Zehntausende mit und skandieren trotzig: „Wir sind der Ring! Wir sind der Ring!“