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Die Skulptur „Das reife Alter“ im Rodin-Museum in Paris.   Valat
Die Skulptur „Das reife Alter“ im Rodin-Museum in Paris. Valat
12.11.2015

Rodins Werke in neuem Licht

Paris. Die Rippen unter der Haut sind zu erkennen und die Knorpel der Wirbelsäule – so als wäre die junge Frau aus Fleisch und Blut. „Der Kuss“ gehört zu den schönsten Skulpturen von Auguste Rodin – und den sinnlichsten.

Rodin hat ihr durch sein Spiel von Licht und Schatten eine Lebendigkeit und Körperlichkeit verliehen, die ihn zum „Plastiker des Impressionismus“ werden ließ. Das hingebungsvolle Liebespaar aus Marmor steht im Pariser Rodin-Museum in der Nähe des Eiffelturms. Nach dreijährigen Renovierungsarbeiten öffnet es heute pünktlich zum 175. Geburtstag des Bildhauers wieder alle seine Säle.

Für 16 Millionen Euro wurde der Stadtpalast Hôtel Biron aus dem 18. Jahrhundert einer Rundum-Erneuerung unterzogen. Sicherheitstechnische Mängel wurden behoben, ein Aufzug für die Werke eingebaut, denn das Museum mit seinen über 6500 Skulpturen gehört zu den großzügigsten Leihgebern. Vor allem aber wurde ein hochtechnisches Beleuchtungssystem installiert, mit dem Rodin wahrscheinlich sehr zufrieden gewesen wäre, wie Museums-Chefin Catherine Chevillot glaubt. Rodin setzte Licht und Schatten als Gestaltungselemente ein, was zu Vergleichen mit den impressionistischen Malern seiner Zeit führte. Und so wie der Sohn aus einer konservativen Pariser Beamtenfamilie spielt nun auch das Museum mit Licht. Denn jede Skulptur in den 13 Ausstellungsräumen hat ihre eigene Beleuchtung. Sie wird per Computer gesteuert und ändert sich je nach Tages- und Jahreszeit. „Der Schreitende“, „Der Denker“ oder „Der Kuss“: Das Hôtel Biron vereint Rodins Meisterwerke und beleuchtet sie noch in einer ganz anderen Weise neu.